Leipzig und Wittenberg übernehmen von Nordhausen einen Anteil am Erdgasimporteur Verbundnetz Gas. Ob der kommunale Einfluss bei diesem Unternehmen weiterhin gesichert bleibt, hängt vom Verkauf der Erfurter und möglicherweise auch der Dresdner VNG-Anteile ab.

Verbundnetz Gas importiert nicht nur Erdgas, sondern betreibt auch ein flächendeckendes Fernleitungsnetz in Ostdeutschland. Archivfoto 2012: Stefan Schroeter


Die LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft und die SLW Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg haben Ende Februar gemeinsam einen Anteil von 0,55 Prozent am Leipziger Erdgasimporteur VNG Verbundnetz Gas übernommen. Verkäufer sind die Stadtwerke Nordhausen. Sie würden sich aus „unternehmerischen Gründen“ von den VNG-Aktien trennen, hieß es in einer Mitteilung der VUB Verbundnetz Gas Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft, in der nun noch neun ostdeutsche Kommunen ihre VNG-Anteile gebündelt haben. Der Verkaufserlös von 7 Mio. Euro werde von den Stadtwerken Nordhausen  für Investitionen verwendet.

Durch das Geschäft mit Nordhausen übernimmt LVV für 5,5 Millionen Euro einen VNG-Anteil von 0,43 % und hält nun insgesamt 7,45 % der Aktien. SLW zahlt 1,5 Mio. Euro, um seine bisherige Beteiligung an dem Erdgasimporteur um 0,12 % auf 1,96 % aufzustocken. Damit können die ostdeutschen Kommunen ihre bisherige Sperrminorität bei VNG unverändert bei 25,79 % der Aktien erhalten.

Ob sie auch weiterhin erhalten bleibt, wird wohl durch den Anteilsverkauf entschieden, den Erfurt seit längerer Zeit plant. Die Thüringer Landeshauptstadt will ihren VNG-Anteil von 4,21 % an die übrigen VUB-Gesellschafter verkaufen und strebt dabei einen Preis von 80 Mio. Euro an. Damit würde eine Erfurter VNG-Aktie etwa um die Hälfte mehr kosten als eine Nordhäuser VNG-Aktie. LVV hatte sich zwar grundsätzlich dazu bereit erklärt, den Erfurter VNG-Anteil zu übernehmen, will aber deutlich weniger zahlen als von den Thüringern verlangt. Verkaufsabsichten waren vor einiger Zeit auch aus Dresden bekannt geworden, in letzter Zeit wurden sie aber nicht weiter konkretisiert.

Mit ihrer Sperrminorität und einer frühen Aktionärsvereinbarung haben die kommunalen VNG-Aktionäre sich bisher erfolgreich dagegen gewehrt, dass der Mehrheitsgesellschafter EWE mit seinen 63,69 % die alleinige Kontrolle über den Leipziger Erdgasimporteur übernehmen konnte. Von dem Erfurter und möglicherweise auch dem Dresdner Anteilsverkauf hängt wahrscheinlich ab, ob sie diese Sperrminorität bewahren können.

Falls das gelingen sollte, wäre auch noch viel mehr denkbar. LVV hatte EWE schon im Dezember angeboten, mit dem Oldenburger Energiekonzern über eine Übernahme von dessen VNG-Aktienpaket zu verhandeln, falls dieser sich zum Verkauf entschließen sollte. Ergebnisse dieses Angebots wurden bisher nicht bekannt. „Wir sind in konstruktiven und vertraulichen Gesprächen mit der EWE und haben hierzu miteinander Stillschweigen vereinbart“, hieß es heute dazu bei LVV.


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