In die Leitungen des größten ostdeutschen Verteilnetz-Betreibers wird immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien einspeist. Je nach Berechnungsmethode deckt der Ökostrom nun schon 48 bis 72 Prozent des regionalen Stromverbrauchs.

Die Windkraft wächst weiter im Mitnetz-Gebiet. Das Foto zeigt einen Windpark in Brehna bei Bitterfeld. Archivfoto 2013: Stefan Schroeter


Der regionale Verteilnetzbetreiber Mitnetz Strom berichtet über ein weiteres Wachstum bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Die installierte Leistung der Anlagen, ihre  Stromeinspeisung und der Anteil des Ökostroms am Endverbraucher-Absatz seien im vergangenen Jahr 2014 gestiegen, berichtet das Tochterunternehmen des Regionalversorgers Enviam.

Demnach nahm die Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien um 6 Prozent auf 10,4 Milliarden Kilowattstunden zu. Damit stieg auch die Einspeisevergütung, die der Netzbetreiber an die Anlagenbetreiber für den eingespeisten Strom zahlte, um 5 % auf 1,3 Mrd. Euro. Die Kosten dafür werden über eine bundesweite Umlage verteilt und überwiegend von kleinen und mittleren Stromkunden aufgebracht.

Die Zahl der Anlagen wuchs im gleichen Tempo auf 36.636. Die installierte Leistung erreichte 7.144 Megawatt und hat sich seit 2009 nahezu verdoppelt. Das Unternehmen verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Netzhöchstlast im Netzgebiet mit 3.438 MW deutlich niedriger ist.

Die erneuerbare Energiequelle mit der höchsten installierten Leistung im Mitnetz-Gebiet ist unverändert die Windenergie, die um 8 % auf 4.110 MW zulegte. Etwas geringer war diesmal das Wachstum bei der Biomasse, die 323 MW erreichte, und bei der Solarenergie, die auf 2.611 MW kam.

Der Anteil des Ökostroms am Endverbraucher-Absatz stieg nach Mitnetz-Berechnung auf 72 %. Bei dieser Berechnungsmethode wird allerdings der Stromabsatz an Weiterverteiler wie Stadtwerke und Industrieversorger ausgeblendet, der doch einen wesentlichen Einfluss auf das Gleichgewicht von Stromerzeugung und -verbrauch in einem regionalen Netzgebiet hat. Wird er in die Rechnung einbezogen, lag der Ökostrom-Anteil am gesamten Absatz bei 48 %. Das ist immer noch weitaus mehr als der Ökostrom-Anteil im gesamten Bundesgebiet, der zuletzt 28 % des Brutto-Stromverbrauchs erreichte. Die Bundesregierung strebt derzeit an, diesen Anteil bis 2025 auf 40 bis 45 % auszubauen.

 

Eingriffe ins Stromnetz

Mitnetz Strom weist darauf hin, dass es zu Netzüberlastungen führen kann, wenn die Einspeiseleistung den Verbrauch deutlich übersteigt. Zudem unterliege die wetterabhängige Erzeugung der erneuerbaren Energien aus Wind- und Fotovoltaikanlagen starken Schwankungen und sei nicht konstant verfügbar. Deshalb seien immer mehr Eingriffe in das Stromnetz nötig, um die Netzstabilität und damit auch die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleisten zu können. Im letzten Jahr sei dies 274 Mal erfolgt.

Mitnetz Strom ist nach eigenen Angaben der größte regionale Verteilnetzbetreiber Ostdeutschlands und für Planung, Betrieb und Vermarktung des Stromverteilnetzes seiner Muttergesellschaft Enviam verantwortlich. Dieses Stromverteilnetz hat eine Länge von 74.000 Kilometern und erstreckt sich über Teile der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.


Vernetzen