Naftogas und Gasprom konnten sich nicht darauf einigen, die bisherigen Kompromisse bei den Lieferbedingungen für russisches Erdgas weiter zu verlängern. Dennoch soll der Transport des Energieträgers durch die Ukraine zu europäischen Kunden in vollem Umfang fortgesetzt werden.

Erdgas-Transitleitungen führen über den Fluss Dnister im westukrainischen Gebiet Iwano-Frankiwsk. Foto: Naftogas


Der ukrainische Energiekonzern Naftogas kauft seit 1. Juli kein Erdgas mehr beim russischen Energiekonzern Gasprom. Bei den dreiseitigen Gesprächen mit der Europäischen Kommission in Wien hätten sich die Unternehmen nicht auf die Lieferbedingungen für das dritte Quartal einigen können, teilte Naftogas mit. Der Transport russischen Erdgases durch die Ukraine zu den europäischen Gasprom-Kunden werde in vollem Umfang fortgesetzt.

Zu einem Kauf- und Lieferstopp zwischen Naftogas und Gasprom war es schon im Juli 2014 gekommen, als der russische Konzern im Streit mit dem ukrainischen Partner die Lieferungen zeitweise eingestellt hatte. Durch die Vermittlung der EU-Kommission konnten sich dann beide Konzerne und ihre Energieminister im Oktober 2014 auf eine Übergangslösung einigen, die zunächst bis März 2015 galt und noch einmal bis Ende Juni verlängert wurde. Bei dieser Verlängerung wurde der vorläufige Lieferpreis auf 247 US-Dollar (223 Euro) je 1.000 Kubikmeter abgesenkt. Der endgültige Preis soll später vom Internationalen Schiedsgericht in Stockholm festgelegt werden, vor dem sich beide Unternehmen gegenseitig verklagt haben.

Wie aus ukrainischen und russischen Presseberichten hervorgeht, wollte Gasprom den vorläufigen Lieferpreis im dritten Quartal nicht weiter absenken. Naftogas soll dagegen darauf verwiesen haben, dass es in seinen westlichen Nachbarländern inzwischen Erdgas zu niedrigeren Preisen kaufen kann. Die Erdgaslieferungen aus westlicher Richtung in die Ukraine sind allerdings bisher auf wenige, nicht sehr leistungsfähige Leitungen beschränkt. Daher bleibt Naftogas zunächst weiter auf die nun wieder unterbrochenen russischen Erdgaslieferungen angewiesen.

 

Speichern für den Winter

Normalerweise nutzen Gasversorger die verbrauchsarmen Sommermonate, um ihre Untergrundspeicher für den Winter zu füllen. Das ist Naftogas nun wie schon im vergangenen Jahr nur eingeschränkt möglich. Dennoch zeigte sich der ukrainische Energieminister Wladimir Demtschischin zuversichtlich, dass sich der Kaufstopp für russisches Erdgas nicht auf den Transit russischen Erdgases und auf die Vorbereitungen für die Heizsaison auswirken wird. Derzeit seien die Untergrundspeicher mit 12 Milliarden m³ Erdgas gefüllt, wurde Demtschischin in der ukrainischen Zeitung Ekonomitscheskaja Prawda zitiert. Bis zum Beginn der Heizsaison in 100 Tagen würden sie auf 18 Mrd. m³ Erdgas aufgefüllt. Das sei dann etwas mehr als im vergangenen Jahr, als die Erdgasvorräte zu Beginn der Heizsaison nur bei 16,6 Mrd. m³ gelegen hätten.

Beim Kauf der benötigten Erdgasmengen ist Naftogas offenbar auf Kredite von internationalen Förderbanken angewiesen. Wie die Ekonomitscheskaja Prawda berichtet, verhandelt der Energiekonzern seit einem halben Jahr über Kredite von insgesamt 1,5 Mrd. Euro, um die benötigten Erdgasmengen für den Winter 2015/2016 kaufen und einlagern zu können.


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