Der Hersteller von biegsamen Dünnschicht-Solarmodulen hatte im Dezember 2014 weitgehend unbemerkt seine zweite Insolvenz angemeldet. Nun hat die türkische NUH-Gruppe die Standorte in Zwenkau und Dresden mit nur noch zwölf Mitarbeitern übernommen.

Vor drei Jahren war Solarions Fabrik in Zwenkau eröffnet worden. Archivfoto 2012: Stefan Schroeter


Der Geschäftsbetrieb des insolventen Zwenkauer Fotovoltaik-Herstellers Solarion ist an einen türkischen Investor verkauft worden. Wie Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther Mitte August mitteilte, handelt es sich bei dem Erwerber um die OC3 AG, die zur türkischen NUH-Gruppe gehört. Der Investor habe für den Standort ein überzeugendes Konzept vorgelegt und verfolge langfristige strategische Ziele, berichtete Flöther. Nähere Angaben dazu machte er ebenso wenig wie zum Kaufpreis. Der Geschäftsübergang ist rückwirkend zum 1. August erfolgt.

Im deutschen Unternehmensregister ist eine OC3 AG bisher nicht verzeichnet. Wie Flöthers Presseagentur auf Anfrage einräumte, wurde Solarions Geschäftsbetrieb tatsächlich an eine andere Aktiengesellschaft übertragen, über deren Namen allerdings Stillschweigen vereinbart worden sei. Sie solle erst später, zu einem ebenfalls nicht genannten Zeitpunkt zur OC3 AG umfirmieren. Informationen auf der Webseite der NUH-Gruppe lassen immerhin die Vermutung zu, dass es am türkischen Hauptsitz in Gebze bei Istanbul bereits eine Tochtergesellschaft oder einen Geschäftsbereich gibt, die oder der ebenfalls den Namen OC3 trägt und seit 2008 an einem flexiblen Solarmodul arbeitet.

Flöther zufolge war der aktive Geschäftsbetrieb von Solarion bereits zur Insolvenzanmeldung Anfang Dezember 2014 weitgehend zum Erliegen gekommen. Damals hatte das Unternehmen nur ausgewählte Fachmedien über seine Insolvenz informiert, auf seiner eigenen Webseite findet sich bis heute kein Hinweis darauf. Zu diesem Zeitpunkt erzielte es keine Umsätze aus einem operativen Geschäft, eine notwendige Finanzierung fehlte.

Von den 85 Mitarbeitern, die zu diesem Zeitpunkt noch bei Solarion beschäftigt waren, haben seitdem 67 Mitarbeiter selbst gekündigt. Weitere vier Mitarbeiter haben Aufhebungsverträge unterschrieben oder Kündigungen erhalten. Zwölf Mitarbeiter werden an den Standorten Zwenkau und Dresden vom Investor übernommen. Auf die beiden Vorstände Karsten Otte und Alexander Braun trifft das nicht zu. Sie sollen den Insolvenzverwalter bei der Abwicklung der Solarion AG unterstützen, die noch mehrere Monate oder Jahre dauern kann.

 

Streit mit dem Großaktionär

Solarion war im Jahr 2000 von Wissenschaftlern des Leipziger Instituts für Oberflächenmodifizierung gegründet worden, um mit einer neuen Technologie leichte und biegsame Dünnschicht-Solarmodule herzustellen. Dabei wird eine dünne Kunststoff-Folie in Vakuumprozessen mit einer Strom produzierenden Halbleiterschicht aus Kupfer, Indium, Gallium und Selen (CIGS) beschichtet. Nach dem Einstieg eines Investors aus Taiwan konnte Solarion schließlich das Werk in Zwenkau bauen, das im Jahr 2012 in Betrieb ging und eine Massenproduktion der Solarfolien ermöglichen sollte. Bald darauf kam es zum Streit mit dem neuen Großaktionär, von dem sich Solarion 2013 schließlich durch ein Insolvenzverfahren in Eigenregie und eine Kapitalerhöhung wieder trennen konnte. Allerdings blieb damals auch weitgehend unklar, welche Aktionäre dann überhaupt noch an Solarion beteiligt waren.


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