EPH Energetický a prùmyslový holding berichtet über ein profitables Geschäftsjahr 2014, legt aber noch keinen Geschäftsbericht vor. Den internationalen Expansionskurs im fossilen Energiebereich hatte das tschechische Unternehmen zuletzt weiter fortgesetzt.

Opatovice 2 gross

Im tschechischen EPH-Kraftwerk Opatovice wird derzeit noch Braunkohle aus den Mibrag-Tagebauen Profen und Vereinigtes Schleenhain verbrannt. Archivfoto 2014: Jaroslav Novotny / Wikimedia / CC BY 3.0


Der tschechische Energie- und Industriekonzern EPH Energetický a prùmyslový holding hat seine Geschäfte im vergangenen Jahr 2014 deutlich ausgeweitet. Der konsolidierte Umsatz sei um 477 Millionen Euro (15 Prozent) auf 3,7 Milliarden Euro gestiegen, berichtete EPH Anfang September. Den Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) bezifferte das Unternehmen mit 1,4 Mrd. Euro. Das entspreche einem Zuwachs von knapp 200 Mio. Euro (17 %) und bestätige die Position von EPH als eines der drei größten tschechischen Unternehmen.

Der Wert der EPH-Beteiligungen soll dagegen von 12,4 Mrd. auf 10,3 Mrd. Euro gesunken sein. Als Ursache dafür nannte das Unternehmen, dass es seine Anteile von 49 % am slowakischen Gashändler SPP Slovenský plynárenský priemysel an den nationalen Vermögensfonds der Slowakei verkauft hatte. Dieser Verkauf war im Juni 2014 erfolgt, nachdem der ursprüngliche SPP-Konzern von EPH umstrukturiert worden war. Seitdem hält der nationale Vermögensfonds sämtliche Anteile am Gashändler SPP.

Die anderen Unternehmen der früheren SPP-Gruppe wurden damals in der Holding SPP-Infrastructure zusammengefasst, wo der Vermögensfonds mit 51 % und EPH mit 49 % beteiligt ist. Die unternehmerische Führung blieb bei EPH. Zu SPP-I gehören das Ferngas-Transportunternehmen Eustream, das Gasvertriebsunternehmen SPP Distribúcia sowie mehrere Gasspeicher-Betreiber in der Slowakei und Tschechien.

Einen Geschäftsbericht für das Jahr 2014, der weitere Einblicke in die wirtschaftliche Tätigkeit von EPH ermöglichen könnte, hat das Unternehmen bisher noch nicht veröffentlicht. Auf Anfrage teilte es mit, dass er gemäß tschechischem Recht spätestens bis zum Jahresende im Geschäftsregister veröffentlicht werden müsse.

Zuletzt hatte EPH seinen internationalen Expansionskurs im fossilen Energiebereich weiter fortgesetzt. So übernahm der tschechische Konzern vom deutschen Energiekonzern Eon mehrere Kohle- und Gaskraftwerke in Italien, mit insgesamt 4.500 MW installierter Stromleistung. In Ungarn vereinbarte EPH mit dem französischen Stromkonzern EdF, dessen Anteil von 95 % am hauptstädtischen Energieversorger Budapesti Erőmű zu übernehmen. Er betreibt drei gasgefeuerte Heizkraftwerke, die 60 % des Wärmebedarfs von Budapest decken und 3 % des ungarischen Stroms produzieren.

 

Kohlendioxid-Steuer behindert EPH-Geschäfte

Im Januar 2015 hatte der tschechische Konzern seine Geschäfte bereits bis nach Großbritannien ausgedehnt und in North Yorkshire das Steinkohle-Kraftwerk Eggborough mit 2.000 MW Stromleistung und 300 Beschäftigten übernommen. Anfang September kündigte EPH nun allerdings an, das Kraftwerk möglicherweise schon im März 2016 stillegen zu wollen. Als Gründe wurden stetig sinkende Strompreise und eine hohe Kohlendioxid-Steuer (Englisch: carbon tax) genannt. Daher könne das Kraftwerk künftig seine Betriebskosten nicht mehr decken.

EPH war im Jahr 2009 von tschechischen und slowakischen Finanzinvestoren gegründet worden, um die von ihnen erworbenen Energie- und Industriebeteiligungen zu verwalten. In Deutschland ist das Unternehmen vor allem als Mutterkonzern des ostdeutschen Braunkohleförderers Mibrag bekannt, der die Tagebaue Vereinigtes Schleenhain in Sachsen und Profen in Sachsen-Anhalt betreibt. Nach dem Einstieg von EPH und seinem zeitweiligen Partner ČEZ im Jahr 2009 war es bei Mibrag zu großen fragwürdigen Finanztransaktionen gekommen. Außerdem gibt es seitdem einen anhaltend starken Kapitalabfluss. Als fragwürdige Praxis gelten auch die im Jahr 2012 aufgenommenen Braunkohle-Exporte aus Mibrags Tagebauen nach Tschechien, die allerdings zum Jahresende beendet werden sollen.

Möglicherweise kann EPH seine Geschäftstätigkeit in der deutschen Braunkohlewirtschaft bald noch beträchtlich ausweiten, wenn der staatliche schwedische Energiekonzern Vattenfall wie angekündigt seine Tagebaue und Kraftwerke in der Lausitz verkauft. Der tschechische Konzern gilt als ernsthafter Interessent dafür.


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