Beim Ausbau der sächsischen Windkraft scheint die Stagnation der vergangenen Jahre zunächst überwunden zu sein. Doch die bisher wirksame „Verhinderungspolitik“ bremst die Branche offenbar weiterhin.

Windpark im Südraum von Leipzig, vor dem Hintergrund des Braunkohle-Großkraftwerks Lippendorf. Archivfoto 2013: Stefan Schroeter


Der Windkraft-Ausbau in Sachsen geht wieder etwas kräftiger voran. Der Döbelner Windkraft-Experte Hans-Jürgen Schlegel rechnet damit, dass im laufenden Jahr 2015 landesweit insgesamt 31 Windenergie-Anlagen mit einer Spitzenleistung von insgesamt 71,45 Megawatt zugebaut werden. 19 Windräder mit 41,50 MW seien bereits bis Ende September errichtet worden, berichtete Schlegel gestern auf dem Sächsischen Windenergie-Tag in Leipzig. Damit drehten sich derzeit in Sachsen 865 Windräder mit einer Gesamtleistung von 1.121 MW. Mit den zwölf Anlagen, die sich noch im Bau befinden, werde die Gesamtzahl bis zum Jahresende voraussichtlich auf 877 und ihre Gesamtleistung auf 1.150 MW steigen.

Nach Schlegels Einschätzung scheint mit diesem Zuwachs die Stagnation der vergangenen Jahre beim Windkraft-Ausbau zunächst überwunden zu sein. Er führte es auf „die bisherige sächsische Verhinderungspolitik“ zurück, dass Sachsen bei der installierten Leistung inzwischen von den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Bayern, Thüringen und Hessen überholt wurde und sich im bundesweiten Vergleich nur noch auf dem 11. Platz findet.

Statistische Zahlen dafür, wieviel Strom die sächsischen Windräder erzeugen, liegen bisher nur bis zum Jahr 2013 vor. In jenem Jahr produzierten sie 1.559 Gigawattstunden Strom und deckten damit 8,1 Prozent des sächsischen Stromverbrauchs. Für das Jahr 2014, für das noch keine offiziellen Zahlen verfügbar sind, prognostizierte Schlegel eine Windstrom-Produktion von 1.700 GWh und einen Anteil von 8,8 % am landesweiten Stromverbrauch.

Die gesamte Ökostrom-Produktion in Sachsen bezifferte der Experte für 2013 mit 4.730 GWh. Das entsprach nach seiner Rechnung einem Anteil von 24,6 % am landesweiten Stromverbrauch. Für 2014 erwartet er 5.130 GWh Strom aus erneuerbaren Energien und einen Anteil von 26,4 % am Stromverbrauch. Für die nächsten Jahre geht er davon aus, dass der Ökostrom-Anteil weiter zunimmt und im Jahr 2020 bis auf 40 % steigt.

Schlegel erinnerte in diesem Zusammenhang an das deutlich bescheidenere Ziel des aktuellen Energie- und Klimaprogramms der Staatsregierung, bis zum Jahr 2023 einen Ökostrom-Anteil von 28 % zu erreichen. Nach seiner Einschätzung ist dieses Programm, das 2012 noch von der CDU/FDP-Koalition erstellt wurde, völlig unzureichend und muss überarbeitet werden. Für diese Überarbeitung schlug er vor, das Ziel für die Windstrom-Produktion, das derzeit bei 2.200 GWh für 2023 liegt, deutlich anzuheben. Schlegel hält es durchaus für möglich, im Jahr 2025 mit sächsischen Windrädern 5.000 bis 7.500 GWh Strom zu produzieren.


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