Zwei neue Starkstromleitungen von Litauen nach Polen und Schweden verbessern den Stromaustausch im Ostseeraum. Litpol und Nordbalt verbinden die baltischen Länder mit den skandinavischen und kontinentaleuropäischen Stromnetzen.

Die Starkstrom-Leitung Litpol ermöglicht den grenzüberschreitenden Stromtransport zwischen Polen (links) und Litauen. Das Foto zeigt Bauarbeiten im vergangenen Herbst. Foto: Litgrid


Litauen hat am Montag zwei neue Starkstromleitungen nach Polen und Schweden offiziell eingeweiht. Die Gleichstrom-Leitungen Litpol nach Polen und Nordbalt nach Schweden verbinden die baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland mit den skandinavischen und und kontinentaleuropäischen Stromnetzen, teilte die litauische Präsidialverwaltung mit. Damit werde die Energie-Isolation der drei Länder beendet. Sie waren bisher weitgehend auf den Stromaustausch mit Belarus und Russland angewiesen. Innerhalb der Europäischen Union verfügten sie erst seit einigen Jahren nur über zwei Verbindungen zwischen Estland und Finnland.

Wie der litauische Übertragungsnetz-Betreiber Litgrid berichtet, wird Litpol mit einer Höchstspannung von 400 Kilovolt betrieben und kann Strom mit einer Leistung von 500 Megawatt transportieren. Die 163 Kilometer lange Leitung führt von Alytus in Litauen zunächst über 51 km zur polnischen Grenze und dann über 112 km nach Ełk. Die Kosten für den von Litgrid gebauten litauischen Abschnitt wurden mit 150 Millionen Euro beziffert, von denen 31,4 Mio. Euro von der Europäischen Union getragen wurden. Der polnische Abschnitt, der vom dortigen Übertragungsnetz-Betreiber PSE Polskie Sieci Elektroenergetyczne errichtet wurde, kostete 430 Mio. Euro. Davon übernahm die EU knapp die Hälfte. Derzeit befindet sich die Leitung in einem Testbetrieb, bei dem Strom mit Unterbrechungen transportiert wird.

Nordbalt arbeitet mit einer Höchstspannung von 300 KV und verfügt über eine Transportleistung von 700 Megawatt. Die Leitung führt über 453 Kilometer von der litauischen Hafenstadt Klaipeda durch die Ostsee ins schwedische Nybro. Zu den Gesamtkosten des Projekts von 550 Millionen Euro steuerte die Europäische Union 131 Mio. Euro bei, die verbleibenden Kosten teilten sich Litauen und Schweden. Gebaut wurde die Leitung von den nationalen Übertragungsnetz-Betreibern Litgrid und Svenska Kraftnät.

Die beiden neuen Starkstrom-Leitungen ergänzen den sogenannten Baltischen Ring, der die Stromnetze der Ostseeländer miteinander verbindet. Zuletzt waren in den Jahren 2006 und 2014 mit Estlink-1 und -2 zwei Unterwasser-Verbindungen zwischen Estland und Finnland in Betrieb gegangen. Seit 1999 gibt es ein Starkstrom-Meereskabel zwischen Polen und Schweden.


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