Von der Preiserhöhung betroffen sind 720.000 Privatkunden des Regionalversorgers, die ihren Strom noch in der teuren Grundversorgung beziehen. Enviam begründet den Anstieg mit höheren Netzentgelten – und die kassiert die eigene Tochtergesellschaft Mitnetz Strom.

Zusammensetzung des Strompreises für einen Privatkunden in der Grundversorgung mit einem Verbrauch von 2.000 Kilowattstunden zum 1. März  2015 in Prozent. Grafik: Enviam


Der Regionalversorger Enviam erhöht seinen Grundpreis in der Strom-Grundversorgung für Privatkunden. Er steigt zum 1. März 2016 um 1 Euro brutto auf monatlich 9,03 Euro brutto. Der Verbrauchspreis bleibt dagegen mit 28,80 Cent pro Kilowattstunde stabil. Von der Preiserhöhung betroffen sind 720.000 Privatkunden, die ihren Strom in der Grundversorgung und daran angelehnten Sonderprodukten beziehen. Die Grundversorgung ist bei jedem Energieversorger der teuerste Tarif. Ihn bezahlen alle Kunden, die keinen der günstigeren Sondertarife abgeschlossen haben, die ebenfalls von allen Energieversorgern angeboten werden.

Von der Preiserhöhung nicht betroffen sind 250.000 Privatkunden von Enviam, die über  Sonderverträge für Wärmestrom und Festpreisprodukte mit laufender Preisgarantie verfügen. Für Gewerbekunden im Grundversorgungs-Gebiet von Enviam ergeben sich 2016 keine Änderungen der Strompreise. Dieses Gebiet umfasst Teile der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Der zum RWE-Konzern gehörende Regionalversorger rät Privatkunden, deren Grundpreis steigt, zum Sonderprodukt „Enviam Pur Strom“ zu wechseln. Hier gebe es eine Preisgarantie von bis zu 24 Monaten für den Verbrauchs- und den Grundpreis inklusive aller Steuern, Abgaben und Umlagen sowie der Netzentgelte.

Als Hauptursache für die Preiserhöhung nannte Enviam, dass der Grundpreis für die Netznutzung für einen Privatkunden in der Grundversorgung seit dem Jahr 2010 um 38,77 Euro brutto gestiegen sei. Dabei ging das Unternehmen nicht weiter darauf ein, dass es die eigene Tochtergesellschaft Mitnetz Strom ist, von der die Netzentgelte für Enviam-Kunden berechnet werden.

Diese Netzentgelte müssen von der BNA Bundesnetzagentur genehmigt werden, was offenbar nicht immer reibungslos erfolgt. So führten unter anderem BNA-Hinweise dazu, dass Mitnetz Strom zuletzt im Jahr 2014 seine Netzentgelte gegenüber dem Vorjahr 2013 absenkte. Das geht aus dem Jahresabschluss 2014 von Mitnetz Strom hervor, der erst vor wenigen Tagen im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. Ihm ist auch zu entnehmen, dass die Netzgesellschaft in jenem Jahr einen Umsatz von 2,43 Milliarden Euro und einen Nachsteuer-Gewinn von 73 Millionen Euro erwirtschaftet hatte.


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