Der sächsische Leuchtenbauer Narva hat eine  kostengünstige Technologie für hoch effiziente Solarwärme-Anlagen entwickelt. Damit soll die solare Heißwasser-Bereitung konkurrenzfähig zu Strom, Öl und Gas werden. 03/2007


narva_grossDie Kraft der Sonne für Heizung und Warmwasser -Bereitung zu nutzen, wird mit steigenden Energiepreisen zunehmend attraktiv. Eine weit verbreitete und relativ preisgünstige Technik dafür sind sogenannte Flachkollektoren. Sie können einen begrenzten Wärmebedarf decken, beispielsweise bei einem Niedrigenergie-Haus. Werden hohe Wassertemperaturen in Wäschereien oder Krankenhäusern gebraucht, kommen sogenannte Vakuum-Röhrenkollektoren ins Spiel. Sie gelten als beste verfügbare Technologie, um Wärme aus Sonne zu erzeugen, haben aber auf dem deutschen Kollektormarkt bisher nur einen Anteil von etwa zehn Prozent erreicht. Dr. Roland Digel, Solarexperte der DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt, führt dies auf den hohen Preis zurück: „Vakuum-Röhrenkollektoren sind effektiv, aber teuer.“

 

Das soll sich nun mit einem neuen, hochautomatisierten Produktionsverfahren ändern, in dem auch kostengünstigere Materialien als bisher verwendet werden. Entwickelt wurde es mit DBU -Unterstützung von der Narva Lichtquellen GmbH + Co. KG aus dem sächsischen Brand-Erbisdorf. „Wir hoffen, dass durch diese innovative Technologie die Preise für Vakuum -Röhrenkollektoren reduziert werden und sie sich so breiter am Markt durchsetzen können“, begründet Digel das Engagement.

 

Narva-Geschäftsführer Dr. Gerhard Mientkewitz sieht den Narva-Kollektor dabei nicht in erster Linie als Konkurrenzprodukt zum Flachkollektor. Er hat vor allem gewerbliche Anwendungen im Blick, bei denen es auf hohe Wassertemperaturen ankommt. „Wir wollen hier konkurrenzfähige Energiepreise im Vergleich zu Öl und Gas anbieten“, erklärt Mientkewitz. Besonders aussichtsreich erscheint ihm die Klimatisierung von Gebäuden. Denn das heiße Wasser aus dem Vakuum-Röhrenkollektor lässt sich nutzen, um sogenannte Absorptions -Kältemaschinen zu betreiben. Vor allem in südlichen Ländern verspricht dies ein lohnendes Geschäft: Dort laufen die Klimaanlagen bisher überwiegend mit Strom, der in Spitzenzeiten sehr teuer werden kann.


Für ihr neues Produktionsverfahren mussten die Leuchtenbauer unter anderem eine neue, maschinentaugliche Lösung für die vakuumdichte Verbindung zwischen der äußeren Glasröhre des Kollektors und dem wasserführenden Kupferrohr entwickeln. Über Erfahrungen mit ähnlichen Verbindungen verfügte Narva bereits aus der voll automatisierten Produktion von Leuchtstoff-Röhren, wenn auch in kleineren Dimensionen. Daher war die Erweiterung der Technik auf Röhrenkollektoren für das Unternehmen eine lösbare Entwicklungsaufgabe. Die Qualität des Vakuums reicht laut Mientkewitz aus, dass die in ihm verbleibenden Luftteilchen fast keinen Wärmetransport mehr von den Metallteilen im Innern des Röhrenkollektors zur Glaswand bewerkstelligen können. Diese Isolierung ermöglicht es, die eingefangene Sonnenwärme sehr weitgehend für die Heizzwecke zu nutzen.

 

Neben der automatisierten Fertigung will Narva auch mit einem neuen Materialkonzept niedrigere Kosten erreichen. Bisher sorgt bei den Vakuum-Röhrenkollektoren ein hochwertiges Spezialglas dafür, dass die Sonnenstrahlung möglichst ungehindert durch die äußere Glasschicht hindurch kommt, bevor sie ein beschichtetes Kupferblech im Inneren erwärmt. Die Leuchtenbauer verwenden nun statt dessen einfaches, kostengünstiges Fensterglas. Um ihm eine vergleichbare optische Durchlässigkeit wie dem Spezialglas zu verleihen, wird es in einem Tauchbad mit einer hauchdünnen Schicht aus Siliziumdioxid beschichtet. Mit dieser Methode sollen die Materialkosten für die Kollektoren um 20 Prozent sinken.

 

Die Produktionsstrecke soll im Frühsommer den Betrieb aufnehmen und dann in einer Schicht jährlich 1 Mio. Kollektoren fertigen. Die Partnerfirma Philippine GmbH & Co. KG aus Lahnstein komplettiert sie zu Solarmodulen, die aus je zehn Röhren bestehen. Vermarktet werden die Module von der eigens gegründeten Verkaufsfirma NTS New Technology Solartechnik GmbH in Meppen.

 

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