Im niedersächsischen Werlte soll ab 2013 eine Pilotanlage erneuerbares Methan für Audi produzieren. Wenn sich die Technik bewährt, könnte sie künftig Schwankungen bei der Ökostrom-Produktion ausgleichen. 16/05/2011


Windparks werden bei Netzengpässen mitunter abgeschaltet, weil der Strom nicht abtransportiert werden kann. Mit einem neuen Verfahren könnte überschüssiger Ökostrom künftig als erneuerbares Methan gespeichert werden. Foto: Stefan Schroeter



Die Stuttgarter Technologiefirma Solarfuel baut für den Automobilhersteller Audi die weltweit erste industrielle Anlage für erneuerbares Methan. Sie soll überschüssigen Ökostrom und das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) aus einer Biogasanlage dazu nutzen, täglich rund 3.900 Kubikmeter erneuerbares Methan in Erdgas-Normqualität zu produzieren. Die Anlage wird im niedersächsischen Werlte gebaut, über eine elektrische Anschlussleistung von 6,3 Megawatt verfügen und voraussichtlich 2013 in Betrieb gehen. Geplant ist, das produzierte Methan ins allgemeine Erdgasnetz einzuspeisen und bei Bedarf wieder abzurufen.


Audi will seinen Kunden mit dem erneuerbaren Methan unter dem Markennamen „e-gas“ eine klimaneutrale Mobilität ermöglichen. Dazu will der Ingolstädter Konzern ebenfalls 2013 den Erdgas-Audi A3 TCNG auf den Markt bringen. Dieses Fahrzeug wird zunächst mit herkömmlichem Erdgas betankt. Die getankte Menge speist Audi dann in Form von e-gas ins Erdgasnetz ein. So soll die CO2-Bilanz für die gefahrenen Kilometer neutral bleiben. Die erwartete Gasmenge aus der Pilotanlage reicht dafür aus, dass 1.500 A3 TCNG jeweils 15.000 km pro Jahr fahren können.


Für den Autohersteller ist e-gas der zentrale Baustein seiner Initiative „Audi balanced mobility“ für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Dabei will er sich auch am Bau von Offshore-Windrädern in der Nordsee beteiligen. Ein Teil dieses Stroms könnte dann für die Produktion von e-gas genutzt werden.


Solarfuel ermöglicht die Zusammenarbeit mit Audi, die Methanisierung von Ökostrom in einem wirtschaftlichen Umfeld zu erproben und weiter zu entwickeln. „2015 soll unsere Speichertechnik serienreif sein“, sagte Finanzchef Karl Maria Grünauer. Er geht davon aus, dass dann Anlagen mit bis zu 20 Megawatt Leistung verfügbar sein werden.


Die Produktion des synthetischen Methans erfolgt in zwei Schritten: Die Anlage zerlegt zuerst per Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Eine chemische Reaktion verbindet dann den Wasserstoff mit CO2 zu Methan. Die Audi-Anlage wird CO2 verwenden, das in einer Abfall-Biogasanlage des Energieversorgers EWE als Nebenprodukt anfällt. Der Wirkungsgrad, mit dem die Pilotanlage Strom in Methan umwandelt, soll bei 54 Prozent liegen. Bei späteren Ausbaustufen werden 60 Prozent angestrebt. Wenn sich auch die anfallende Prozesswärme auskoppeln und verwerten lässt, bleibt ein größerer Anteil der zugeführten Energie erhalten.


Die Technologie für die Produktion des erneuerbaren Methans war von Solarfuel gemeinsam mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung ZSW in Stuttgart und dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel entwickelt worden. Ihr Ziel war es, überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien möglichst nachhaltig zu speichern. Derzeit werden vor allem Windkraftwerke schon teilweise abgeschaltet, wenn der erzeugte Strom aufgrund von Netzengpässen nicht abtransportiert werden kann. Die chemische Speicherung des Ökostroms als erneuerbares Methan kann dieses Problem lösen. Denn dieser Energieträger kann über das Gasnetz in die Untergrundspeicher eingespeist werden, wo 200 Terawattstunden Erdgas eingelagert werden können. Das entspricht dem deutschen Gasverbrauch von mehreren Monaten. Aus den Speichern kann das Gas jederzeit abgerufen und als Kraftstoff sowie als Brennstoff für Heizungen und Kraftwerke eingesetzt werden.



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