Die Ferngas-Netzbetreiber Gaz-System aus Polen und Ontras aus Deutschland wollen den Gastransport über den Grenzübergangspunkt Lasow bei Görlitz ausbauen. Es ist eines von mehreren Projekten, die das polnische Gassystem besser mit den westeuropäischen Netzen verbinden sollen. 29/06/2011


Über den deutsch-polnischen Grenzübergangspunkt Lasow soll künftig mehr Erdgas transportiert werden. Foto: Gaz-System



Geplant ist, bis Januar 2012 in Lasow die jährliche Transportkapazität von derzeit etwa 1 Milliarde auf 1,5 Milliarden Kubikmeter zu steigern. Dazu hatten Gaz-System und Ontras zu Anfang Juni ein Abkommen unterzeichnet. Möglich werden soll der erweiterte Gastransport durch Modernisierungsarbeiten im Gasnetz der polnischen Region Niederschlesien. Um die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, hatte Gaz-System zuletzt vier Gasleitungen neu gebaut oder modernisiert. An einer weiteren Gasleitung in der Region wird derzeit noch gearbeitet. Im Netz von Ontras, einer Tochtergesellschaft von VNG Verbundnetz Gas, sind keine weiteren Ausbau-Maßnahmen nötig.

Über Lasow bezieht der staatliche polnische Gasversorger PGNiG bisher jährlich 900 Mio. m³ von VNG, 140 Mio. m³ vom Schweizer Gashändler Vitol und kleinere Mengen von RWE. Lasow ist neben Mallnow in Brandenburg derzeit der einzige deutsch-polnische Grenzübergangspunkt für Gas. Dabei dient Mallnow allerdings bisher ausschließlich dem Transit von russischem Erdgas durch die Jamal-Europa-Pipeline über polnisches Territorium nach Deutschland. Um die Anbindung Polens an das westeuropäischen Gasnetz zu verbessern, arbeitet PGNiG gemeinsam mit VNG seit mehreren Jahren an Plänen für eine neue grenzüberschreitende Pipeline mit 2 - 3 Mrd. m³ jährlicher Transportleistung.

Derzeit deckt Polen seinen Erdgasbedarf von jährlich 13 Mrd. m³ überwiegend durch Importe aus Russland und aus eigener Förderung. Ab Oktober will PGNiG außerdem jährlich 550 Mio. m³ Erdgas von Vitol über den polnisch-tschechischen Grenzübergangspunkt Cieszyn  beziehen. Derzeit wird auch ein Hafenterminal für verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas – LNG) in Swinoujscie gebaut. Dort sollen ab 2014 Tankschiffe das LNG aus weit entfernten Fördergebieten in Afrika und Asien antransportieren und entladen können, bevor es regasifiziert und ins Gasnetz eingespeist wird. Darüber hinaus bereitet Gaz-System den Bau der Baltic Pipe vor. Sie soll durch die Ostsee von Polen nach Dänemark führen und den Import von norwegischem Erdgas ermöglichen.

In den vergangenen Monaten machte Polen auch mit weitreichenden Plänen von sich reden, größere Vorkommen an Schiefergas auf dem eigenen Territorium zu erschließen. Damit möchte das Land dem Beispiel der USA folgen, die durch die groß angelegte Schiefergas-Förderung ihre Erdgas-Importe deutlich vermindern konnten. Allerdings sind die dabei angewandten Fördermethoden mit hohen Umweltrisiken verbunden und stoßen daher zunehmend auf Kritik.



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