Der Düsseldorfer Energieversorger Eon Energie hat in Ungarn das Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk Gönyü in Betrieb genommen. Die von Siemens gebaute Anlage erreicht einen in Ungarn bisher einmalig hohen Strom-Wirkungsgrad von 59 Prozent. 18/07/2011


Das Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk Gönyü sorgt für stabile Spannung in Ungarns Stromnetz. Foto: Eon Hungary



Das 400 Mio. Euro teure GuD-Kraftwerk Gönyü wurde im Nordwesten Ungarns in der Nähe der Stadt Györ errichtet. In den kommerziellen Betrieb war es bereits im Mai gegangen. Ende Juni folgte die offizielle Inbetriebnahme mit dem ungarischen Staatspräsidenten Pál Schmitt.

Als Spitzenlast-Kraftwerk soll es für Stabilität im ungarischen Stromnetz sorgen. Eine Wärmeauskopplung erfolgt nicht, die notwendige Kühlung wird durch das Flusswasser der nahen Donau gewährleistet. Die Anlage, die über 430 Megawatt Stromleistung verfügt, zeichnet sich Siemens zufolge durch hohe Betriebsflexibilität, kurze Anfahrzeiten und die Möglichkeit zu schnellen Lastwechseln aus. So wird die Anfahrzeit für einen Heißstart mit unter 30 Minuten angegeben. Diese Eigenschaften würden angesichts der zunehmenden Einspeisung fluktuierenden Windstroms immer bedeutsamer, heißt es.

Das sogenannte Fast-Cycling-Konzept, nach dem das Kraftwerk gebaut wurde, soll gegenüber bisherigen Kraftwerkstypen außerdem mehr Anfahrvorgänge über die Lebensdauer der Anlage erlauben. Dadurch wird es möglich, das Kraftwerk nachts abzuschalten und so einen wenig effizienten Teillast-Betrieb zu vermeiden. Siemens zufolge liegen Nachtstrompreise in Europa oft so niedrig, dass ein GuD-Kraftwerk aufgrund der hohen Kosten für Erdgas und Kohlendioxid-Zertifikate nachts nicht mehr mit Gewinn betrieben werden kann.

Mit einem Strom-Wirkungsgrad von 59 Prozent ist Gönyü laut Eon Hungary das derzeit effizienteste Kraftwerk des Landes. Bei Siemens gilt dieser Wert derzeit als Standard für GuD-Kraftwerke des Konzerns. Als Schlüsselkomponente wird dabei die  SGT5-4000F-Gasturbine genannt, die mit einer SST5-5000-Dampfturbine und dem Generator SGEN5-3000W kombiniert wurde. Das Kraftwerk wurde als Einwellenkonzept ausgeführt, bei dem die Hauptkomponenten auf einem Strang angeordnet sind.

Einen noch höheren Rekord-Wirkungsgrad von knapp 61 Prozent hatte Siemens zuletzt für das GuD-Kraftwerk Irsching-4 in Bayern gemeldet. Es wird ebenfalls von Eon betrieben, ist allerdings auf eine höhere Stromleistung von 600 MW ausgelegt.

Wie die Budapester Zeitung berichtet, liegt der Wirkungsgrad ungarischer Kraftwerke bisher bei  durchschnittlich 30 bis 35 Prozent. Der ungarische Minister für Klima und Energie, Janos Becsik, kündigte daher in Gönyü einen umfassenden Aktionsplan für modernere Kraftwerke an.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.



Lesen Sie auch:

Mehr Erdgas für Polen


Viel Strom aus Kohle, wenig aus Wasser und Wind


Mehr Strom aus erneuerbaren Energien