Dem deutschen Technologiekonzern ist es nicht gelungen, den russischen Kraftwerksausrüster Silowyje Maschiny zu übernehmen. Nun gibt er seine Minderheitsbeteiligung ab und gründet ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem russischen Partner. 22/08/2011


Gasturbinen fertigt Siemens unter anderem in den Werken Berlin (Foto) und Görlitz. Im russischen  St. Petersburg gründet der Technologiekonzern dafür nun auch ein Gemeinschaftsunternehmen. Foto: Siemens



Der deutsche Technologiekonzern Siemens und der russische Kraftwerksausrüster SM Silowyje Maschiny  richten ihre Partnerschaft neu aus. In den nächsten Monaten wollen sie ein Gemeinschaftsunternehmen für Gasturbinen in St. Petersburg gründen, an dem Siemens 65 Prozent und SM den Rest der Anteile hält. Es soll anlaufen, sobald die behördlichen Genehmigungen vorliegen.

Geplant ist, dass das Gemeinschaftsunternehmen die Entwicklung, die Fertigung sowie den Service von Gasturbinen in Russland und in den anderen Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten übernimmt. Dabei wollen die Partner die Entwicklungs- und Technologie-Kompetenz von Siemens mit den Fertigungskapazitäten von SM bündeln.

Bisher hält Siemens eine Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie an SM. Vor einigen Jahren hatte der deutsche Konzern noch versucht, die Mehrheit an dem russischen Kraftwerksausrüster zu übernehmen. Dies war an politischen Widerständen gescheitert, weil SM auch Rüstungsgüter produziert, die als strategisch wichtig eingestuft wurden.

Nun gibt Siemens seine SM-Anteile an den Mehrheitseigner Highstat Ltd. ab, der bereits 70% der Anteile besitzt und seinerseits vom Großindustriellen Alexej Mordaschow kontrolliert wird. SM soll dem Gemeinschaftsunternehmen nun einzelne Kraftwerkskomponenten wie Dampfturbinen und Turbogeneratoren liefern.

Der russische Kraftwerksausrüster erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 1,85 Mrd. US-Dollar (1,28 Mrd. Euro) und einen Reingewinn von 193 Mio. US-Dollar (134 Mio. Euro). Derzeit baut das Unternehmen in St. Petersburg eine neue Fabrik, in der Dampfturbinen für Atomkraftwerke mit Stromleistungen von bis zu 1.600 Megawatt hergestellt werden sollen.

Siemens ist bei der seit 2006 laufenden Modernisierung der russischen Energiewirtschaft gut im Geschäft und baut zunehmend Fertigungsstätten auf. Der deutsche Konzern hat bereits für mehrere Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke im Land die  Schlüsselkomponenten gefertigt. So liefert er Gasturbine, Dampfturbine und Generator für eine Gas- und Dampfturbinen-Anlage, die das russische Unternehmen Atomstroiexport bis Ende 2012 für die Kraftwerksgesellschaft OGK-3 im Kraftwerk Jushnoural bei Tscheljabinsk baut.

In Woronesh will Siemens künftig Transformatoren für Stromnetze montieren. Mit dem russischen Partner Iskra-Avigaz baut der deutsche Konzern in Perm ein Werk auf, das Verdichter für Gaspipelines produzieren soll. Auch Siemens-Windturbinen sollen künftig in Russland montiert werden. Dazu ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit den russischen Partnern Rusgidro und Rostechnologii geplant.



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