Der Energiekonzern Vattenfall Europe hat angekündigt, die Regelfähigkeit seiner vier ostdeutschen Braunkohlen-Kraftwerke zu verbessern. Das soll es ermöglichen, mehr Strom aus erneuerbaren Energien in die Netze einzuspeisen. 07/09/2011


Das Braunkohlen-Kraftwerk Jänschwalde kann bis auf ein Drittel seiner Leistung heruntergefahren werden, wenn viel Windstrom anfällt. Diese Mindestleistung soll weiter sinken. Foto: Vattenfall


Vattenfalls Braunkohlen-Großkraftwerke in Boxberg, Jänschwalde, Lippendorf und Schwarze Pumpe sind eigentlich dafür ausgelegt, dass sie möglichst rund um die Uhr mit hoher Leistung gefahren werden und so die Grundlast des Stromverbrauchs abdecken. Die ostdeutschen Braunkohle-Kraftwerke mussten allerdings schon in den 90er Jahren teilweise in der Mittellast gefahren werden, weil sich der Stromverbrauch in Ostdeutschland weniger dynamisch entwickelte als geplant. Die Möglichkeiten, ostdeutschen Strom in die großen westdeutschen Verbrauchszentren zu transportieren, sind begrenzt. Dafür gibt es zu wenige Übertragungsleitungen.

Mit dem Aufschwung der erneuerbaren Energien verschärfte sich dieses Dilemma, weil der umweltfreundlich erzeugte Ökostrom bevorzugt in die Stromnetze eingespeist werden muss. Er verdrängt normalerweise den Braunkohlestrom. Allerdings können auch die Braunkohlen-Kraftwerke mit einer Mindestleistung am Netz bleiben. Mitunter werden deshalb auch Solar- und Windkraftwerke gedrosselt, die Betreiber erhalten für den entgangenen Stromerlös eine Entschädigung vom Netzbetreiber. Die Kosten dafür werden auf die Stromkunden umgelegt. Damit sie nicht zu stark steigen, und damit möglichst viel Ökostrom produziert werden kann, müssen sich die bestehenden Braunkohlen-Kraftwerke gut an die Schwankungen von Wind- und Solarstrom anpassen können.


Beim Wissenschaftstag von Vattenfall in Cottbus Ende August sagte dazu Hubertus Altmann, Vorstand der Braunkohlensparte: „Schon heute regeln wir unsere Kraftwerke in den technisch bestehenden Grenzen und ermöglichen somit überhaupt erst das hohe Maß an Energieeinspeisung aus regenerativen Energiequellen.“ Im Jahr 2010 habe Vattenfall allein im Braunkohlen-Kraftwerk Jänschwalde 147 Mal auf Windeinspeisung reagiert, indem Leistungen eingesenkt oder Dampfkessel vom Netz genommen wurden.


Jänschwalde wurde in den 80er Jahren errichtet und verfügt in seinen sechs Blöcken über eine installierte Leistung von insgesamt 3.000 Megawatt. Die niedrigste Leistung, auf die es im Jahr 2010 wegen starker Windstrom-Einspeisung heruntergefahren wurde, beziffert Vattenfall mit 1.350 MW. Dabei wurden auch einzelne Dampfkessel abgeschaltet, so dass die betroffenen Blöcke nur noch mit einem Kessel liefen.


Die Mindestleistung eines 500 MW-Blocks in Jänschwalde gibt der Konzern mit 180 MW an. Damit könnte das gesamte Kraftwerk maximal bis auf 1080 MW abgesenkt werden, ohne dass ein Block ganz außer Betrieb genommen werden müsste. Es dauert etwa eine Stunde, bis ein 500-MW-Block von voller Leistung auf 180 MW heruntergefahren werden kann. Der umgekehrte Prozess ist schwieriger: Zwar braucht der Block nur 25 Minuten, bis er mit dem noch aktiven Kessel eine Leistung von 270 MW erreicht. Doch es sind vier Stunden nötig, bis auch der abgeschaltete zweite Kessel wieder voll in Betrieb ist und der Block mit  voller Last gefahren werden kann.


Eine Möglichkeit, seine Braunkohlen-Kraftwerke besser regelbar zu machen, sieht Vattenfall im verstärkten Einsatz von Trockenbraunkohle. Dieser Brennstoff wird in Röhrentrocknern hergestellt und verfügt über einen zweieinhalb Mal so hohen Heizwert wie Rohbraunkohle. Die Techniker wollen ihn für das Stützfeuer im Kessel einsetzen und so die Mindestleistung eines 500 MW-Blockes auf bis zu 90 MW senken. Wann dieses Versuchsprojekt in die Praxis überführt werden kann, ist allerdings noch offen.


Auf dem Wissenschaftstag wurde auch darüber diskutiert, wie in einem künftigen Kraftwerkspark die entstehende Überschussenergie zur Energiespeicherung oder für neue Produkte genutzt werden kann. Dazu gehört die Produktion von Wasserstoff mittels Elektrolyse und die anschließende Gewinnung von künstlichem Gas. Dieses Methan könnte im Erdgasnetz gespeichert werden. Ähnliche Projekte gibt es bereits für die chemische Speicherung von Windenergie. Als ein Weg, die Schadstoff-Bilanz der Kraftwerke zu verbessern, wurde auch der Einsatz getrockneter Biomasse genannt, sogenannter „Black Pellets“.



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