Stadtwerke Leipzig Netz wappnet sich für den Fall, dass das vorgelagerte Strom-Übertragungsnetz ausfällt. Dann sollen mehrere Stadtteile als Netzinsel aus dem eigenen Kraftwerk versorgt werden. 30/09/2011


Das Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk hat beim Leipziger Netzinsel-Test den Strom für mehrere Stadtbezirke geliefert. Foto: SWL



Der Stromnetz-Betreiber Stadtwerke Leipzig Netz (SWLN) bereitet sich darauf vor, dass es beim Ferntransport von Strom nach Leipzig zu Ausfällen kommt. Dazu entwickelt er derzeit ein Konzept dafür, wie die Stromversorgung der Stadt unabhängig vom vorgelagerten Übertragungsnetz aufrecht erhalten oder nach einem Komplettausfall wieder aufgebaut werden kann. Der erste Teil dieses Konzepts besteht darin, eine sogenannte „Netzinsel“ in einem Teil von Leipzig vom vorgelagerten Netz zu trennen und ausschließlich vom Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) der Muttergesellschaft SWL Stadtwerke Leipzig über die Hochspannungs-Ebene 110 Kilovolt zu versorgen.


Wie eine solche Netzinsel funktionieren kann, hat SWLN in der Nacht zum 23. September 2011 zwischen 00:00 Uhr und 03:00 Uhr praktisch getestet. In dieser nächtlichen Zeit werden die Netzkunden am wenigsten durch eventuelle Stromausfälle gestört. Die überprüfte Netzinsel umfasste die Leipziger Stadtteile Zentrum, Zentrum-Ost, Zentrum-Nordost, Westvorstadt, Thekla, Portitz, Abtnaundorf und Heiterblick. Sie wurden nach SWL-Auskunft über drei Umspannwerke versorgt und hatten als Netzinsel während der Überprüfung eine Höchstlast von 25 Megawatt. Tagsüber sei die Höchstlast normalerweise um etwa die Hälfte höher, erklärte das Unternehmen.


Als Ergebnis der Überprüfung berichtete SWLN, dass das Leipziger Stromnetz auch beim Ausfall des vorgelagerten Übertragungsnetzes weitgehend stabil betrieben werden kann. Dazu müssten dann wahrscheinlich weitere Kraftwerke angeschlossen oder einige große Stromverbraucher eingeschränkt werden. Denn das GuD-Kraftwerk kann mit seiner installierten Stromleistung von 174 MW nicht allein die Jahreshöchstlast im gesamten Leipziger Netz decken, die bei 313 MW liegt.


Bei der Rückschaltung in das vorgelagerte Übertragungsnetz ist es laut SWLN in Teilen des Leipziger Stromnetzes zu kurzzeitigen „Versorgungseinschränkungen“, also Stromausfällen, gekommen. Sie dauerten in einem Umspannwerk eine Minute, in den beiden anderen wenige Sekunden. „Dafür bitten wir unsere Kunden um Verständnis“, wurde SWLN-Geschäftsführer Andreas Kühnl zitiert. „Aber nur in der Praxis können wir festzustellen, ob das Zusammenspiel zwischen Schalthandlungen im Netz und der Fahrweise des Kraftwerks funktioniert.“


Mit den dabei gewonnenen Erkenntnisse will SWLN nun weiter an einem Konzept für den Wiederaufbau seines Stromnetzes arbeiten. Darin wird festgelegt, in welcher Reihenfolge die Teilnetze wieder zugeschaltet werden, wenn ein Netz spannungslos geworden ist. SWLN kündigte an, dass dafür eine Reihe weiterer Prüfungen  nötig sein wird. Den nächsten Praxistest soll es allerdings frühestens im kommenden Jahr geben.


Mit der Entwicklung dieses Konzepts folgt SWLN nach eigenen Angaben einem Bericht des Ausschusses für  Bildung, Forschung und Technikfolgen-Abschätzung an den Bundestag vom April 2011 zu großräumigen und lang andauernden Ausfällen der Stromversorgung. Darin werde empfohlen, Inselversorgungen vorzubereiten.


Nach Ansicht von SWLN kann es zu Stromausfällen im vorgelagerten Übertragungsnetz des Netzbetreibers 50Hertz Transmission kommen, weil er sein Netz durch die stetig steigenden Einspeisungen von erneuerbaren Energien zukünftig an den Systemgrenzen betreiben müsse. Bisher vorhandene Sicherheitsreserven seien erschöpft. Nähere Angaben dazu machte SWLN nicht, sondern verwies auf Mitteilungen von 50Hertz zur Netzstabilität und auf die Vierte Konferenz zur Sicherheit des elektrischen Systems in Cottbus.




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