Am Tagebau Profen will der Braunkohle-Produzent für 1,3 Milliarden Euro ein gut regelbares Großkraftwerk bauen. Wenn die Genehmigungen vorliegen und Investoren mitziehen, soll der Bau 2015 beginnen. 14/10/2011


Aus dem Braunkohle-Tagebau Profen werden derzeit Kraftwerke der Region per Bahn beliefert. Jetzt soll ein Kraftwerk direkt am Tagebau gebaut werden. Foto: Mibrag


Der Braunkohle-Produzent Mibrag hat seine langjährigen Pläne für ein neues Großkraftwerk am Tagebau Profen in Sachsen-Anhalt konkretisiert. Es soll über eine Brutto-Stromleistung von 660 Megawatt verfügen. Den Strom-Wirkungsgrad bezifferte das in Zeitz ansässige Unternehmen mit mehr als 43 Prozent. Wie Geschäftsführer Joachim Geisler sagte, ist auch  eine Wärme-Auskopplung von 55 MW geplant. Nähere Angaben dazu, in welchen Branchen dafür Kunden gewonnen werden könnten, machte er nicht.


Im Gegensatz zu herkömmlichen Kohlekraftwerken, die vor allem den Grundlastbedarf an Strom decken, soll die neue Anlage in Profen hochflexibel ausgelegt sein. Mibrag zufolge wird es „ein echter Sprinter sein, der schnell starten und zum Einsatz kommen kann, wenn nicht genug Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung steht“.


Dafür will das Unternehmen die bisher aus Braunkohle-Großkraftwerken bekannte Kessel-Staubfeuerung einsetzen, die allerdings besser regelbar gemacht werden soll. Damit könne das Kraftwerk in 15 bis 20 Minuten von voller Leistung auf 300 MW herunter- und auch in der gleichen Zeit wieder hochgefahren werden, sagte Geisler.


Bei näherer Betrachtung ist das allerdings keine dramatische Verbesserung im Vergleich zu bestehenden Anlagen wie dem vor elf Jahren in Betrieb gegangenen, deutlich größeren Vattenfall-Kraftwerk Lippendorf. Nach früheren Angaben kann es ebenfalls innerhalb von 20 Minuten auf die Hälfte seiner Leistung heruntergefahren werden. Schwerfälliger ist das in den 80er Jahren gebaute Vattenfall-Kraftwerk Jänschwalde. Seine 500-MW-Blöcke brauchen eine Stunde, bis sie auf die Mindestleistung von 180 MW heruntergefahren werden können. Viermal so lange dauert es dann aber, bis sie wieder ihre volle Leistung erreichen.


Geisler zeigte sich optimistisch, dass das Kraftwerk Profen trotz der anfallenden Kosten für Kohlendioxid-Zertifikate wirtschaftlich zu betreiben ist. „Wir bauen eines der effektivsten Braunkohle-Kraftwerke“, sagte er. „Damit werden wir von der Wirtschaftlichkeit her immer einen Platz im Markt haben, weil wir weniger effektive Kraftwerke verdrängen können.“


Das Genehmigungsverfahren für das Kraftwerksprojekt wird voraussichtlich Anfang Dezember beginnen. Mit der ersten Teilgenehmigung rechnet Mibrag bis Ende 2014. Gleichzeitig will das Unternehmen auch Investoren für das 1,3 Mrd. Euro teure Projekt gewinnen. Dabei zieht es auch Strom-Großkunden oder Stadtwerke und Kommunen in Betracht, die verstärkt in eigene Erzeugungskapazitäten investieren wollen.


Wenn alle rechtlichen Voraussetzungen vorliegen und die Investoren grünes Licht geben, könnte der Bau 2015 beginnen. Für die Bauzeit werden fünf Jahre veranschlagt. Nach Mibrags Planungen kann das Kraftwerk Profen dann zunächst mit Kohle aus Abbaufeldern des Tagebaus Profen versorgt werden. Aus heutiger Sicht hält das Unternehmen die Nutzung zusätzlicher Kohlevorräte frühestens im Zeitraum von 2025 bis 2030 für erforderlich. Dafür ist ein neuer Tagebau bei Lützen im Gespräch, gegen den es Widerstand in der Bevölkerung gibt.



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