Der Windkraft-Spezialist Enertrag hat mit drei Partnern aus der Energie- und Verkehrswirtschaft ein Hybridkraftwerk gebaut. Es soll drei Energiequellen vereinigen, um bedarfsgerecht Strom zu erzeugen und Wasserstoff als Kraftstoff zu liefern. 07-09/11/2011



Wasserstoff-Tanks, Windräder, Biogasanlage und das Technikgebäude mit Kraftwerk und Elektrolyseur: Fertig ist das Hybridkraftwerk. Foto: Enertrag



In Prenzlau, Brandenburg, haben die Unternehmen Enertrag, Total, Vattenfall und Deutsche Bahn Ende Oktober das nach eigenen Angaben weltweit erste Wasserstoff- Hybridkraftwerk in Betrieb genommen. Mit dem Projekt wollen sie die Machbarkeit einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung und Energiespeicherung mit einem Mix aus rein erneuerbaren Energiequellen im Praxistest nachweisen. Das Wasserstoff-Hybridkraftwerk vereinigt den Unternehmen zufolge erstmals die Energiequellen Wind, Wasserstoff und Biogas zu einem Verbund.

In dem Hybridkraftwerk erzeugen drei Windräder mit je 2 Megawatt Leistung Strom, der zu einem Teil in das örtliche Mittelspannungsnetz eingespeist wird. Zu einem anderen Teil wird er genutzt, um in einem Elektrolyseur mit 500 Kilowatt Leistung gasförmigen Wasserstoff und Sauerstoff zu produzieren. Der Wasserstoff kann auch in einem stationären Gasspeicher gelagert werden. Außerdem ist eine Biogasanlage angeschlossen. Das von ihr produzierte Biogas wird je nach Bedarf mit bis zu 70 Prozent Wasserstoff gemischt und in zwei Block-Heizkraftwerken mit je 350 Kilowatt Stromleistung und 340 kW Wärmeleistung genutzt. Die Wärme soll in das Prenzlauer Netz eingespeist werden.

Das Hybridkraftwerk ist dafür ausgelegt, je nach Bedarf in vier verschiedenen Betriebsweisen zu arbeiten. In der Betriebsweise „Wasserstoffproduktion“ produziert es eine größtmögliche Menge Wasserstoff, um den Speicher zu füllen. In der Betriebsweise „Grundlast“ soll es eine konstante elektrische Leistung garantieren. Die Schwankungen der Windstrom-Produktion werden ausgeglichen, indem überschüssiger Strom in Wasserstoff umgewandelt und zwischengespeichert wird. Bei schwachem Wind wird der Wasserstoff mit dem Biogas in den BHKW-Motoren zur Stromproduktion verwendet.


In zwei weiteren Betriebsweisen kann das Hybridkraftwerk auch dazu eingesetzt werden, Strom für die Spitzenlast, für die Energiebörse oder nach einer vorgegebenen Leistungskurve zu erzeugen. Für die dafür nötige Anlagensteuerung hat Enertrag eine spezielle Software entwickelt.


Der erzeugte Wasserstoff soll auch auch an Totals Wasserstoff-Tankstellen in Berlin geliefert werden. Nach früheren Angaben will der französische Energiekonzern in diesem Herbst zwei Wasserstoff-Tankstellen in der Nähe des Hauptbahnhofs und am Flughafen Berlin Brandenburg International in Betrieb nehmen.

Die gesamte Investitionssumme für das Hybridkraftwerk beläuft sich auf 21 Mio. Euro. Dabei finanziert Enertrag die Windräder und das Biogas-Kraftwerk über die Stromvergütung des Erneuerbare Energien Gesetzes. Der innovative Teil des Projekts, zu dem der Elektrolyseur sowie die Steuer- und Regeltechnik gehören, wurde zur Hälfte mit Förderzuschüssen vom Land Brandenburg und vom Bundesverkehrsministerium bezahlt. Die andere Hälfte tragen Enertrag und seine Projektpartner. Die Kosten für dieses Teilprojekt liegen nach inoffiziellen Informationen bei 7 Mio. Euro.



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