Der Strom eines neuen Groß-Windparks bei Neubrandenburg soll künftig als Wasserstoff gespeichert und bei Bedarf wieder verstromt werden. Ein anderes Projekt in Falkenberg zielt darauf, Wind-Wasserstoff direkt ins Ferngasnetz einzuspeisen. 18/11/2011


Vor drei Jahren war die E-112 mit ihren 6 Megawatt Spitzenleistung noch Enercons leistungsstärkste Windmaschine. In Altentreptow werden jetzt Windräder E-126 mit 7,5 MW aufgestellt. Damit der viele Windstrom die Netze nicht überlastet, soll er vor Ort gespeichert werden. Archiv-Foto: Stefan Schroeter



In Altentreptow bei Neubrandenburg entsteht derzeit der leistungsstärkste Inlands-Windpark Mecklenburg-Vorpommerns. Nach Angaben des früheren Landes-Bauministeriums und des Anlagenherstellers Enercon werden hier 28 Enercon-Windräder mit einer installierten Spitzenleistung von insgesamt 142 Megawatt errichtet. Darunter sind 15 Anlagen des Typs E-126, die bei idealen Windbedingungen jeweils 7,5 MW erreichen sollen. Um den Bau des Windparks zu unterstützen, wird ein  Service- und Turmbau-Stützpunkt für 50 Enercon-Monteure errichtet. Welche Summe Enercon hier investiert und ob das Unternehmen den Windpark künftig auch betreibt, war auf Anfrage nicht zu erfahren.


Ein Teil des in Altentreptow produzierten Stroms soll in einer Windkraft-Wasserstoff-Anlage gespeichert werden können, um die schwankende Windeinspeisung auszugleichen. Diese Demonstrationsanlage wird von der Ingenieurgesellschaft Wind-Projekt errichtet und soll 2012 in Betrieb gehen. Ihre Kosten von 10 Mio. Euro fördert das Bundes-Bauministerium mit 4,5 Mio. Euro. Sie verfügt über eine Elektrolyseanlage mit 1 Megawatt Leistung, die mit Windstrom den Energieträger Wasserstoff produzieren soll. Diese Elektrolyseanlage wird ebenso wie ein Wasserstoff-Verdichter von der kanadischen Hydrogenics Corporation geliefert.


Der so produzierte Wasserstoff kann dann bei Bedarf in einem speziell entwickelten Block-Heizkraftwerk mit 250 Kilowatt Stromleistung und 400 kW Wärmeleistung genutzt werden, um Strom und Wärme zu produzieren. Dieses BHKW fertigt der  süddeutsche Lieferant Senergie. Auch eine Tankanlage für Wasserstoff ist geplant, wo Elektrofahrzeuge und Boote mit Brennstoffzellen betankt werden sollen. Außerdem besteht die Absicht, Wasserstoff in das örtliche Erdgasnetz einzuspeisen.


Auch der Energiekonzern Eon errichtet eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff aus Windenergie. Diese Pilotanlage wird bis 2013 für fünf Mio. Euro in Falkenhagen, Brandenburg, gebaut. Sie soll ebenfalls durch Elektrolyse 360 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde produzieren. Dieser Energieträger wird in das Ontras-Ferngasnetz eingespeist und wie normales Erdgas genutzt. Das Potenzial ist Eon zufolge immens: Bereits heute könnten dem Erdgas im Netz problemlos bis zu fünf Prozent Wasserstoff beigefügt werden, heißt es. Mittelfristig sollen sogar bis zu 15 Prozent möglich sein. Damit könnte die gesamte heutige regenerative Stromerzeugung im deutschen Erdgasnetz gespeichert werden, teilte der Energiekonzern als Ergebnis einer theoretischen Berechnung mit.


Kürzlich war in Prenzlau, Brandenburg, ein Hybridkraftwerk des Windpark-Betreibers Enertrag in Betrieb gegangen, in dem ebenfalls Windstrom zu Wasserstoff umgewandelt wird. Hier dient er hauptsächlich gemeinsam mit Biogas zur bedarfsgerechten Stromproduktion. Im Bau ist derzeit außerdem im niedersächsischen Werlte ein Projekt von Solarfuel und Audi, das ab 2013 erneuerbares Methan aus Ökostrom und aus dem Kohlendioxid einer Biogasanlage produzieren soll.



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