Mit ihren Krediten fördert die Entwicklungsbank EBRD in der Ukraine gezielt Projekte, mit denen der hohe Energieverbrauch gesenkt werden kann. Die Möglichkeiten zum Energiesparen sind enorm. 23/11/2011


Wenn ukrainische Produktionsanlagen modernisiert werden, können Energieverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß drastisch sinken. Für das Zementwerk Kamenets-Podilsk wurden dafür Gelder aus dem Emissionshandel mobilisiert. Archiv-Foto: Podcem



Die Europäische Entwicklungsbank EBRD hat in den vergangenen vier Jahren 40 Projekte für Energieeffizienz und erneuerbare Energien in der Ukraine mit insgesamt 110 Mio. US-Dollar (81 Mio. Euro) finanziert. Wie die Bank mitteilte, stammen diese Mittel aus dem 2007 aufgelegten Energieeffizienz-Programm Ukraine, das mit insgesamt 160 Mio. US-Dollar ausgestattet ist. Es solle die Ukraine dabei unterstützen, den hohen Energieverbrauch zu senken.


Die so finanzierten Projekte haben EBRD zufolge bisher jährliche Energieeinsparungen von 2.200 Gigawattstunden ermöglicht. Dies sei vergleichbar mit dem Energieverbrauch einer Großstadt wie Odessa. Gleichzeitig werde ein jährlicher Kohlendioxid-Ausstoß von 520.000 Tonnen vermieden. Als Beispiele für die Industriezweige mit den besten Energiespar-Projekten wurden die Käseproduktion und die Stahlherstellung genannt. Einzelne Projekte erwähnte die Bank nicht.


Nach Einschätzung von EBRD-Landesdirektor André Küüsvek gibt es weiterhin einen Bedarf für solche Projekte in der Ukraine. Die Bank plane daher, weitere Mittel bereitzustellen und ähnliche Energieeffizienz-Programme aufzulegen.


Der sparsamere Einsatz von Energie spielt auch in anderen ukrainischen Kreditprogrammen der EBRD eine Rolle. So vergab die Bank im April über ein Programm für nachhaltige Landwirtschaft einen Kredit von 11 Mio. Euro an den Molkereikonzern Ukrprodukt. Damit soll die Molkerei Starokonstantinowskij modernisiert werden. Das Projekt zielt darauf, den Energieverbrauch in der Molkerei um 20 Prozent und den Wasserverbrauch um 40% zu senken. Der vermiedene Kohlendioxid-Ausstoß wird auf jährlich 9.000 t geschätzt.


Ein großes Energiespar-Potenzial sieht EBRD auch im ukrainischen Wohnungsbestand. Hier könnten nach ihrer Einschätzung 60 Mrd. Euro in Effizienzmaßnahmen investiert und so jährlich 60 Terawattstunden Energie eingespart werden. Das entspräche knapp 10 Mrd. Kubikmeter Erdgas oder einem Viertel der ukrainischen Erdgasimporte. Um dieses Potenzial erschließen zu helfen, berät die Entwicklungsbank das ukrainische Wohnungsministerium dabei, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die nötigen Investitionen zu schaffen.


EBRD ist nach eigenen Angaben der größte Finanzinvestor in der Ukraine. Bisher hat sie hier in 289 Projekten insgesamt 7,1 Mrd. Euro angelegt.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.



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