Das gerade gegründete deutsch-russische Gemeinschaftsunternehmen Siemens Gas Turbine Technologies soll 275 Mio. Euro investieren. In dem neuen Werk wollen die Partner ab 2014 Gasturbinen für die Länder der Region fertigen. 05/12/2011


Die Siemens-Gasturbine SGT5-4000F gehört zu den Aggregaten, die das neue Werk in St. Petersburg künftig fertigen soll. Eine solche Gasturbine wird derzeit im russischen GuD-Kraftwerk Jushnouralsk eingebaut. Foto: Siemens



Der deutsche Technologiekonzern Siemens und der  russische Kraftwerksausrüster SM Silowyje Maschiny haben ein Gemeinschaftsunternehmen zur Fertigung von Gasturbinen gegründet. An dem neuen Unternehmen, das als Siemens Gas Turbine Technologies firmiert, hält der deutsche Konzern 65 Prozent und SM die übrigen Anteile. Wie Siemens mitteilte, haben die  zuständigen Wettbewerbsbehörden zugestimmt. Nun sollen 275 Mio. Euro für ein neues Werk in St. Petersburg investiert und dort 500 Arbeitsplätze geschaffen werden. Ab 2014 wollen die Partner dort Gasturbinen für den Markt in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten fertigen. Dazu zählen elf Nachfolgestaaten der Sowjetunion. In dem neuen Werk sollen außerdem Service und Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung angesiedelt werden.


Siemens arbeitet in Russland seit mehr als 20 Jahren mit SM im Kraftwerksgeschäft zusammen. Die Kooperation reicht von Herstellung und Vertrieb von Produkten und Lösungen zum Bau neuer Anlagen bis zu ihrer Wartung und Modernisierung. Das neue Joint Venture löst das als Interturbo bekannte bisherige Gemeinschaftsunternehmen ab, an dem Siemens einen Anteil von 45% hielt. Siemens war bisher auch mit 25 Prozent plus einer Aktie an SM beteiligt und hatte zeitweise versucht, eine Mehrheit am russischen Kraftwerksausrüster zu übernehmen. Dies war an politischen Widerständen gescheitert. Nun gibt Siemens seine SM-Anteile an den Mehrheitseigner Highstat ab, der bereits 70% der Anteile besitzt und seinerseits vom Großindustriellen Alexej Mordaschow kontrolliert wird. SM soll dem Gemeinschaftsunternehmen künftig einzelne Kraftwerkskomponenten wie Dampfturbinen und Turbogeneratoren liefern.


Als Treiber für den Gasturbinenmarkt in den GUS-Ländern sieht der deutsche Konzern die Erneuerung des installierten Kraftwerksparks sowie den Ausbau der Erzeugungskapazitäten. Die gesamte Stromerzeugung in diesen Ländern wird nach Siemens-Schätzungen von derzeit rund 1.470 Terawattstunden bis 2020 um gut 2% jährlich auf etwa 1.800 TWh steigen. Dabei sollen Gaskraftwerke eine große Rolle spielen: 2010 stellten die mit Gasturbinen betriebenen Kraftwerke in den GUS-Ländern nur 30 Gigawatt der gesamten installierten Leistung von 370 GW. Bis 2020 wird sich ihr Anteil nach Siemens-Prognose auf 100 GW erhöhen.


Nach Ansicht des deutschen Konzerns sind hocheffiziente Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke (GuD) für die künftige Stromerzeugung in der GUS-Region von großer Bedeutung. Bei diesen Anlagen wird mit dem Abgasstrom der Gasturbine eine zusätzliche Dampfturbine angetrieben, um so den Ausnutzungsgrad des Brennstoffs zu erhöhen. Mit einem im Eon-Kraftwerk Irsching gemessenen Wirkungsgrad von 60,75% hält Siemens nach eigenen Angaben den Effizienz-Weltrekord. Der Wirkungsgrad der thermischen Kraftwerke in der GUS-Region liege demgegenüber noch bei knapp 37%. Nahezu die Hälfte der Anlagen sei älter als 30 Jahre, was für ihren Austausch gegen moderne und effizientere Anlagen spreche. Im Vergleich zu installierten Gaskraftwerken reduziere die neueste Gasturbinen-Generation von Siemens im GuD-Betrieb sowohl den Ausstoß von Kohlendioxid als auch den Gasverbrauch im Schnitt um ein Drittel. Im Vergleich zu Kohlekraftwerken würde die Emissionsminderung noch wesentlich höher ausfallen.


In Russland will Siemens bis Ende 2014 zusammen mit seinen Partnern insgesamt die runde Summe von einer Milliarde Euro investieren und dabei 4.000 Stellen schaffen. Von den geplanten Investitionen sind 700 Mio. Euro auf den Zukunftsmarkt Energie ausgerichtet. Als aktuelle Beispiele werden ein Montagewerk für Mittelspannungs-Schaltanlagen in Dubna bei Moskau und das in Perm angesiedelte Gemeinschaftsunternehmen für Pipelineverdichter genannt. In Woronesch, 500 Kilometer südlich von Moskau, ist kürzlich ein Werk für Hochspannungs-Produkte in Betrieb gegangen. Dort soll nächstes Jahr noch eine Transformatoren-Fabrik eröffnet werden und später ein Werk für gasisolierte Schaltanlagen  folgen.



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