Der Technikkonzern investiert 66 Mio. Euro in sein erstes eigenes  Brenner-Testzentrum für Gasturbinen. Mehr Tests unter realistischen Einsatzbedingungen sollen es ermöglichen, den Wirkungsgrad der Kraftwerks-Aggregate weiter zu steigern. 14/12/2011


Im Werk Berlin-Moabit bauen Siemens-Mitarbeiter die Brenner in eine Gasturbine ein. Weiterentwickelte Brenner, die den Wirkungsgrad der Turbine entscheidend mitbestimmen, werden künftig im nahen Ludwigsfelde getestet. Foto: Siemens



Der Technikkonzern Siemens baut in Ludwigsfelde bei Berlin ein neues Brenner-Testzentrum für Gasturbinen. Der 66 Mio. Euro teure Komplex, für den der Konzern bereits ein 36.000 Quadratmeter großes Gelände erworben hat, soll 2014 in Betrieb gehen und voraussichtlich 25 Mitarbeiter beschäftigen. Damit verfügt Siemens dann erstmals über ein eigenes derartiges Testzentrum. Bisher hat der Konzern bei der Entwicklung von Brennern für Gasturbinen auf externe Testeinrichtungen zurückgegriffen. Künftig will er mehr Tests durchführen, da die internen Versuche dann nicht mehr von der Verfügbarkeit externer Einrichtungen abhängig sind.

Das neue Zentrum soll über drei Zellen verfügen, in denen Verbrennungsvorgänge unter realistischen Einsatzbedingungen getestet werden können. Siemens verspricht sich davon weitere Fortschritte bei der Neu- und Weiterentwicklung von Gasturbinen. „Die Verbrennungsvorgänge im Inneren von Gasturbinen stellen mit Temperaturen von 1.500 Grad Celsius und mehr höchste Anforderungen an die Werkstoffe. Die Verbrennung ist nur eingeschränkt am Computer simulierbar, aber der Schlüssel zu einer noch höheren Effizienz von Gasturbinen", erklärte Roland Fischer, Vorstandschef der Division Fossil Power Generation im Siemens-Sektor Energy.


In einer Gasturbine werden Erdgas oder Heizöl unter hohem Druck mit Luft vermischt und von bis zu 24 identischen Brennern gezündet. Gaskraftwerke lassen sich sehr flexibel starten und fahren, wobei sich die Bedingungen für den Verbrennungsvorgang unter Teil- und Volllast deutlich unterscheiden. Bei den Tests werden an einem einzelnen Brenner im Prüfstand verschiedene Parameter wie Leistung, Wirkungsgrad, Emissionen und die Flammenstabilität überprüft. Neben Erdgas und Heizöl sind auch Mischungen alternativer Brennstoffe wie Wasserstoff, Ethan, Propan und Butan bei den Verbrennungstests einsetzbar.


Siemens hält nach eigenen Angaben den Effizienz-Weltrekord mit einem Wirkungsgrad von 60,75 Prozent im Gas- und Dampfturbinenbetrieb (GuD). Der Konzern rechnet damit, die Effizienz noch deutlich darüber hinaus steigern zu können. In GuD-Kraftwerken wird mit dem heißen Abgasstrom einer Gasturbine zusätzlich eine Dampfturbine versorgt, um die Ausbeute an elektrischer Energie zu erhöhen.


In der Region Berlin-Brandenburg betreibt Siemens bereits ein Gasturbinenwerk in Berlin-Moabit. Im laufenden Jahr erweiterte und erneuerte das Unternehmen hier für 17 Mio. Euro das Prüffeld, in dem komplett montierte Gasturbinen unter Kraftwerksbedingungen getestet werden. Für 13 Mio. Euro wurde dort außerdem ein neues Bohrwerk zum Bearbeiten von Gehäuseteilen installiert. Auch im Berliner Schaltanlagenwerk von Siemens, in dem Komponenten für Kraftwerke und Hochspannungsnetze hergestellt werden, werden derzeit für 30 Mio. Euro zwei neue Produktionshallen gebaut. In Ludwigsfelde, in direkter Nachbarschaft zum künftigen Brenner-Testzentrum, weihte Siemens im vergangenen Jahr ein neu gebautes Logistikzentrum für Gasturbinenteile ein.


Nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums Brandenburg wird mit dem neuen Siemens-Testzentrum die Kompetenz der Hauptstadtregion bei der Turbinenentwicklung weiter gestärkt. Hier sind  bereits Rolls Royce mit dem Mechanical Test Operation Centre (MTOC) in Dahlewitz – dem vom gesamten Konzern genutzten Mechanischen Betriebstestzentrum, Anecom Aerotest in Wildau, die FTI-Group in Wildau und die Florida Turbine Technologies in Wildau ansässig. Hinzu kommen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Gesellschaft für Entwicklung und Versuch Adlershof (GEVA), die Bundesanstalt für Materialforschung und mehrere Hochschulen.



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