Der neue Braunkohle-Stromerzeuger durchläuft noch Tests und einen Erprobungsbetrieb, bevor er im Herbst den Dauerbetrieb aufnehmen kann. Am Kraftwerksstandort Boxberg steigt dann die installierte Gesamtleistung zur Stromerzeugung auf 2.575 Megawatt. 22/02/2012



Der zweite Boxberger Neubaublock (vorn) hat weniger Leistung als der erste Neubaublock (hinten), aber einen etwas höheren Wirkungsgrad. Foto: Vattenfall



Der neue Kraftwerksblock R im sächsischen Braunkohle-Kraftwerk Boxberg hat am 16. Februar 2012 um 9.58 Uhr zum ersten Mal Strom in das öffentliche Netz eingespeist. Der Betreiber Vattenfall Europe bezeichnete diese erste Netzschaltung als einen entscheidenden Meilenstein für die Vorbereitung zum Dauerbetrieb des Blockes. Der neue Block verfüge bei einer Stromleistung von 675 Megawatt über einen weltweit führenden Wirkungsgrad von 44 Prozent und werde 20 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als ältere Braunkohle-Kraftwerke.

In den kommenden Monaten soll nun das Projektteam in Boxberg den Stromerzeugungs-Prozess weiter optimieren und die Anlagen testen. Wenn diese Phase erfolgreich abgeschlossen ist, folgt im Sommer der zweimonatige Erprobungsbetrieb. Mit der Aufnahme des Dauerbetriebes von Block R rechnet Vattenfall im Herbst 2012. Damit werde der Kraftwerksstandort Boxberg dann eine installierte Gesamtleistung von 2.575 MW zur Stromerzeugung bereitstellen.

Zu den Boxberger Stromerzeugern gehören zwei ältere 500-MW-Blöcke, die im Zeitraum von 1992 bis 1995 mit Umwelttechnik nachgerüstet und für den langfristigen Weiterbetrieb ertüchtigt wurden. Außerdem waren damals zwei Neubaublöcke geplant. Der gesunkene Stromabsatz in Ostdeutschland ließ dann aber zunächst nur den Bau eines neuen Blockes „Q“ mit 900 MW zu, der im Jahr 2000 in Betrieb ging. Später entschloss sich Vattenfall bei einem wieder steigendem Stromabsatz doch noch zu einem leicht abgespeckten Neubau in Boxberg, obwohl die Rahmenbedingungen für Braunkohle-Kraftwerke mit ihrem hohen CO2-Ausstoß bereits zunehmend unsicher wurden. 2007 wurde der Grundstein für den zweiten Neubaublock gelegt, die Inbetriebnahme war eigentlich schon für 2010 vorgesehen.

Früheren Angaben zufolge sollten in den in den zweiten Neubaublock 800 Mio. Euro investiert werden. Den Brennstoff Braunkohle liefern  die beiden benachbarten Tagebaue Nochten und Reichwalde. Dazu war es notwendig, den seit 1999 ruhenden Tagebau Reichwalde für 300 Mio. Euro zu modernisieren und wieder in Betrieb zu nehmen. Die Rohbraunkohle gelangt über Förderbänder aus den Tagebauen zu einem Kohlelagerplatz am Kraftwerks-Standort, der auch als Puffer dient. 



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.







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