Nach Ansicht der Landesregierungen von Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt gewährleistet Braunkohle in der Energiewende eine sichere und bezahlbare Energieversorgung. Dabei halten sie an den wenig effizienten und begrenzt regelbaren Großkraftwerken fest. 29/02/2012


In der Pilotanlage Schwarze Pumpe will Vattenfall die Abtrennung von Kohlendioxid aus dem Kraftwerksprozess weiter entwickeln. Diese Technologie gilt als entscheidend für die künftige energetische Nutzung der Braunkohle. Archivfoto: Stefan Schroeter



Die Länder Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben sich auf einem Braunkohlegipfel am 27. Februar in Leuna für die energetische und stoffliche Nutzung des heimischen Energieträgers eingesetzt. Die Entwicklung großtechnischer und bezahlbarer Lösungen für die Systemintegration der erneuerbaren Energien brauche noch einige Zeit, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die nach einem nicht öffentlichen Treffen mit dem Energiekommissar der Europäischen Union, Günther Oettinger, verteilt wurde. Konventionelle Energien würden eine „Brücke“ zu den Erneuerbaren bilden. Der Braunkohle als einzigem in ausreichender Menge zur Verfügung stehenden einheimischen Energieträger komme als Partner der Erneuerbaren dabei eine zentrale Rolle zu. Derzeit werde die Hälfte des Grundlast-Stroms in Deutschland durch Braunkohle erzeugt.

„Wenn wir Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Preisen sichern wollen, dann muss daran gedacht werden, dass eine Kompensation der vom Netz genommenen Atomkraftwerke auch durch Braunkohlekraftwerke in Zukunft möglich sein muss“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff vor Journalisten. Bekanntlich sollen die deutschen AKW, die derzeit die andere Hälfte des Grundlast-Stroms erzeugen, bis 2022 abgeschaltet werden.

Die Länder setzen sich auch dafür ein, ein Gesetz zur Abscheidung, zum Transport und zur Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage – CCS) zu verabschieden. Ein vom Bundestag beschlossener Gesetzentwurf war im September vom Bundesrat abgelehnt worden. Daraufhin strich der Braunkohle-Verstromer Vattenfall Europe wegen fehlender Planungssicherheit das geplante CCS-Demonstrationskraftwerk Jänschwalde. Vorstandschef Tuomo Hatakka erklärte nun in Leuna, dass Vattenfall die CCS-Technologie in der bestehenden Pilotanlage Schwarze Pumpe weiter entwickeln werde. Möglicherweise sei es in 10 bis 15 Jahren möglich, ein kommerzielles CCS-Kraftwerk mit 800 Megawatt Stromleistung in Jänschwalde zu bauen.  

Zurückhaltend reagierten die Gipfelteilnehmer auf die Frage, ob die bisher dominierende Verstromung in Großkraftwerken überdacht werden muss, damit die Braunkohle eine Partnerin der erneuerbaren Energien werden kann. Bekanntlich erreichen selbst die modernsten Anlagen wie der zweite Neubaublock in Boxberg nur einen Wirkungsgrad von 43 Prozent, weil fern von Ballungszentren und Industriestandorten die anfallende Abwärme kaum genutzt werden kann. Zudem kann sich auch dieser moderne Block nur begrenzt an die schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien anpassen.

Eine Alternative dazu könnte eine in Sachsen entwickelte Technologie sein. Mit ihr lässt sich Braunkohle zu synthetischem Erdgas (Synthetic Natural Gas – SNG) verarbeiten, das sich ins allgemeine Gasnetz einspeisen und in gut regelbaren dezentralen Kraftwerken mit Wärmenutzung verstromen lässt. Auf diese Weise sind prinzipiell Wirkungsgrade von 90 Prozent möglich. Eine solche Braunkohle-SNG-Anlage wird derzeit mit sächsischer Technik in China gebaut.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte dazu, dass sächsische Synthesegas-Technologien zwar bereits in Afrika und Asien angewendet würden. Doch unter den Bedingungen der Europäischen Union und der Bundesrepublik Deutschland seien sie nicht wettbewerbsfähig. „Und wir werben dafür, dass hier auch gleiche Wettbewerbsbedingungen vorherrschen“, so Tillich. „Ein erster Schritt wäre, dass die Europäische Kommission zum Beispiel auf Emissionszertifikate und deren Kauf beim Betrieb von Pilotanlagen und Technologieprojekten verzichtet.“




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