Allein 100 Millionen Euro will der Netzbetreiber Mitnetz Strom im laufenden Jahr investieren, um die Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Die Ausbaupläne für die kommenden Jahre können sich noch ändern, wenn sich die Einspeiseregelung ändert. 09/03/2012


Hochspannungs-Leitungen müssen modernisiert, saniert oder neu gebaut werden, damit die wachsenden Strommengen aus erneuerbaren Energien transportiert werden können. Foto: Stefan Schroeter



Der regionale Stromnetz-Betreiber Mitnetz Strom plant, im Jahr 2012 insgesamt 344 Mio. Euro für Investitionen und andere Aufwendungen auszugeben. Insgesamt sehe der Bauplan 10.000 Einzelmaßnahmen im Hoch-, Nieder- und Mittelspannungsnetz vor, teilte die in Halle/Saale ansässige Tochtergesellschaft des Regionalversorgers Enviam mit. Dazu gehören Ersatzneubauten, Modernisierungen und Sanierungen von Hochspannungs-Leitungen und Umspannwerken. Mitunter werden Hochspannungs-Leitungen auch teilweise umverlegt,  oder ihre Übertragungsfähigkeit wird durch technische Maßnahmen erhöht.

Allein 100 Mio. Euro würden aufgewendet, um die Netze für die steigende Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien auszubauen, sagte Technik-Geschäftsführer Adolf Schweer Anfang März vor Journalisten in Halle. Insgesamt plane sein Unternehmen derzeit für diesen Zweck für die nächsten zehn Jahren Investitionen von 1,1 Mrd. Euro ein. „Das kann sich auch noch ändern, wenn  sich die Einspeiseregelung ändert“, erklärte Schweer.


Bekanntlich arbeitet die Bundesregierung derzeit daran, die Einspeisevergütung für Fotovoltaikanlagen drastisch zu senken. Solarparks mit mehr als 10 Megawatt Spitzenleistung sollen danach keine Vergütung mehr nach dem EEG Erneuerbare Energien Gesetz erhalten. Davon könnten auch Projekte im Mitnetz-Gebiet betroffen sein. So baut Solarhybrid derzeit in Allstedt, Sachsen-Anhalt, einen Solarpark mit 29 MW und ein Umspannwerk, Mitnetz sorgt für den Stromanschluss an das Hochspannungsnetz. Ende März soll der Netzanschluss fertig sein. Ob für diesen Solarpark noch eine rentable EEG-Vergütung gezahlt wird, hängt wohl davon ab, wie das derzeitige politische Tauziehen um den „Solarausstieg“ ausgeht.


Noch kritischer sieht es für einen Solarpark mit 28 MW im benachbarten Amsdorf aus, über dessen Baubeginn die Mitteldeutsche Zeitung kürzlich berichtete. Zwar soll die Großanlage  schon bis Mitte April fertig werden. Die Investoren müssen dennoch befürchten, dass sie dann keine rentable Einspeisevergütung mehr erhalten. Auch für einen weiteren Ausbau des riesigen Solarprojekts Turnow-Preilack in Brandenburg dürften sich die Aussichten eintrüben. Dort will Juwi Solar die derzeit installierte Spitzenleistung von 70 MW auf 300 MW erweitern.  


Im vergangenen Jahr hatte die Stromeinspeisung aus Biomasse, Sonne, Wasser und Wind im Mitnetz-Gebiet um mehr als ein Viertel auf 8,1 Mrd. Kilowattstunden zugenommen. Schweer zufolge entspricht das einem Anteil von 49 Prozent an der Strommenge, die sein Unternehmen an Endverbraucher liefert. In dieser Rechnung ist allerdings eine Strommenge von 5,7 Mrd. kWh nicht enthalten, die Mitnetz an Weiterverteiler wie Stadtwerke liefert. In den städtischen Netzen gibt es weniger Ökostrom-Kraftwerke, sie nehmen aber Ökostrom aus den vorgelagerten Netzen ab und entlasten sie damit. Die steigende Ökostrom-Einspeisung bringt das bestehende Stromnetz an seine Grenzen, da sein Ausbau mehr Zeit erfordert als der Bau von EEG-Anlagen. Weil der Abtransport des Ökostroms nicht gesichert war, regelte Mitnetz im vergangenen Jahr 50 Mal solche Anlagen ab – dreimal öfter als noch 2010. Die Anlagenbetreiber werden in diesen Fällen entschädigt.


Schweer rechnet damit, dass die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien im Mitnetz-Gebiet weiter zunimmt und in einigen Jahren einen Anteil von 100 % und mehr am Endverbraucher-Absatz erreicht. Die Einspeisevergütungen, die Mitnetz an Betreiber von EEG-Anlagen zahlt, stiegen 2011 auf 1,1 Mrd. Euro. Damit machten sie die Hälfte des gesamten Unternehmens-Umsatzes aus, der bei 2,2 Mrd. Euro lag. Die Einspeisevergütungen sind ein durchlaufender Posten, den der Netzbetreiber seinem vorgelagerten Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz in Rechnung stellt. 50Hertz holt sich dieses Geld dann gemeinsam mit den anderen deutschen Übertragungsnetz-Betreibern über die bundesweite EEG-Umlage von allen Stromkunden zurück.


Mitnetz Strom ist nach eigenen Angaben der größte regionale Verteilnetz-Betreiber in Ostdeutschland. Das Unternehmen plant, betreibt und vermarktet das Stromnetz seiner Muttergesellschaft Enviam, die wiederum zum Energiekonzern RWE gehört. Das Enviam-Stromnetz hat eine Länge von 77.000 Kilometern und erstreckt sich über Teile der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.



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