Moderne Gas- und Dampfturbinen-Technik von Siemens hebt Leistung und Wirkungsgrad in einem Block des russischen Kraftwerks Kirischi deutlich an. Der deutsche Konzern sieht diese Umrüstung als Modell, wie die Lebensdauer von bestehenden Kraftwerken in Russland und weltweit verlängert werden kann. 05/04/2012


Im Kraftwerk Kirischi wurde einer von sechs Dampfkraftwerks-Blöcken auf moderne GuD-Technik umgerüstet. Foto: Gasprom



Im russischen Kraftwerk Kirischi ist landesweit erstmals ein mit Gas befeuerter Dampfkraftwerks-Block auf die deutlich effizientere Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Technik umgerüstet worden. Im Block 6 wuchs damit die installierte Stromleistung von bisher 300 Megawatt auf jetzt 800 MW. Auch der Wirkungsgrad der Stromerzeugung konnte deutlich verbessert werden: Er stieg von bisher 38 auf 55 Prozent.

Für die Umrüstung lieferte der deutsche Konzern Siemens zwei SGT5-4000F-Gasturbinen mit je 279 MW Stromleistung, zwei Generatoren des Typs SGen5-1000A und die Leittechnik SPPA-T3000. Darüber hinaus unterstützte Siemens das Projekt mit technischen Beratungs- und Serviceleistungen. Die schon vorhandenen Dampfturbinen konnten nach einer Anpassung an die neuen Dampfparameter weiter genutzt werden.

Auftraggeber und Betreiber der Anlage ist der russische Energieversorger OGK-2, der mehrheitlich zur Stromholding des Energiekonzerns Gasprom gehört. Kirischi liegt 150 Kilometer südöstlich von St. Petersburg und ist als Zentrum für die petrochemische Industrie bekannt. Das dortige Kraftwerk war in den Jahren von 1965 bis 1983 errichtet worden. Hier gibt es neben dem nun umgerüsteten Block fünf weitere gasbefeuerte Dampfkraftwerks-Blöcke, die nur der Stromproduktion dienen. In weiteren sechs Kessel- und Dampfturbinen-Aggregaten können Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt werden. Insgesamt verfügt das Kraftwerk nach der Modernisierung von Block 6 nun über eine installierte Stromleistung von 2.600 MW.

Die Stromholding von Gasprom setzt derzeit ein mehrjähriges Programm für den Neubau und die Umrüstung von Kraftwerken um. Dabei soll bis Ende 2016 eine zusätzliche Kraftwerksleistung von 9.000 MW in Betrieb gehen. Dazu hatte sich Gasprom vor einigen Jahren verpflichtet, als der Konzern bei der Privatisierung der russischen Stromwirtschaft drei der größten Kraftwerksgesellschaften erworben hatte. Für alle russischen Kraftwerksgesellschaften war damals ein Leistungszubau von 30.000 MW vertraglich vereinbart worden.

Für Siemens könnte Block 6 in Kirischi eine wichtige Referenz werden. Der deutsche Konzern sieht im Umrüsten von Altanlagen weltweit, insbesondere auf dem stark wachsenden russischen Markt, eine attraktive Möglichkeit, die Lebensdauer von bestehenden Kraftwerken zu verlängern und die Betriebskosten zu senken. So könnten diese Anlagen gegenüber neuen Kraftwerken wettbewerbsfähig bleiben, teilte Siemens mit.


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