Siemens fehlen derzeit deutsche Aufträge für Gaskraftwerke, obwohl sie die zunehmend schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Energien am besten ausgleichen könnten. Der Braunkohle-Verstromer Vattenfall will seine Kraftwerke besser regelfähig machen, muss aber auch Schwierigkeiten mit einer neuen Stahlsorte für Kraftwerkskessel überwinden. 20/04/2012



Der neue Block 4 (vorn im Bild) des Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerks Irsching bei Ingolstadt erreicht einen Rekord-Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung und kann sehr flexibel betrieben werden. Foto: Siemens



Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke (GuD) gelten als bestens geeignete Technik, um eine schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Energien auszugleichen. Doch bei einem GuD-Spezialisten wie Siemens schlägt sich dies noch nicht so recht im Auftragsbuch nieder. Zuletzt hatte der deutsche Kraftwerksbauer in Deutschland für den Energiekonzern Eon eine neue GuD-Anlage mit 578 MW Stromleistung im bayerischen  Irsching gebaut und im Juni 2011 in Betrieb genommen. Mit einem Strom-Wirkungsgrad von 60,75 Prozent hält sie Siemens zufolge den Weltrekord für GuD-Anlagen. Derzeit errichtet der Kraftwerksbauer für Statkraft das GuD-Kraftwerk Knapsack II in Hürth bei Köln, das Mitte 2013 mit einer Stromleistung von 430 MW und einem Strom-Wirkungsgrad von 59 Prozent in Betrieb gehen soll.

Die Chancen, neue Aufträge für GuD-Kraftwerke in Deutschland zu erhalten, beurteilt Siemens derzeit zurückhaltend. Die Investitionsbedingungen seien derzeit nicht sehr attraktiv, sagt Lothar Balling, Leiter Gaskraftwerke. Als eine Ursache dafür nennt er die wachsende Windstrom-Erzeugung, die Gaskraftwerken weniger Betriebsstunden erlaubt. Eine weitere Ursache sei ein niedriger Strom-Großmarktpreis, der für Investitionen in Gaskraftwerke kaum ausreiche. Einen Ausweg sieht der Siemens-Experte in Kapazitätszahlungen. Dabei wird für jederzeit rasch zuschaltbare Kraftwerke ein Beitrag gezahlt.

Der Braunkohle-Verstromer Vattenfall Europe arbeitet derzeit noch daran, einen fast fertigen Kraftwerksblock in Boxberg dauerhaft ans Netz zu bringen. Der Bau des neuen Blocks dauerte schon zwei Jahre länger und wurde mit 1 Mrd. Euro auch um ein Viertel teurer als ursprünglich geplant. Die Ursache liegt darin, dass Vattenfall und sein Kesselbauer HPE Hitachi Power Europe beim Block R mit Schwierigkeiten der neuen Hochleistungs-Stahlsorte T24 zu kämpfen hatten, die in Kraftwerkskesseln höhere Temperaturen und damit höhere Wirkungsgrade als bisher ermöglichen soll.

Der neue Block ist auch dafür ausgelegt, dass er seine Stromproduktion wesentlich schneller als bisherige Braunkohleblöcke des Unternehmens ändern und sich so besser an die schwankende Einspeisung von Wind- und Solarstrom anpassen kann. Vattenfall arbeitet auch daran, die sogenannte Laständerungs-Geschwindigkeit in seinen bestehenden Kraftwerken zu verbessern.



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