Der Regionalversorger investiert in den Netzausbau für mehr Ökostrom-Transport, baut Windkraft- und Biogasanlagen und verkauft grüne Energieprodukte. Das Gasgeschäft wird wieder bei der Tochtergesellschaft Mitgas konzentriert. 07/05/2012


Die Enviam-Tochter Mitnetz Strom plant hohe Investitionen in Umspannwerke und Stromleitungen. Im Bild das Umspannwerk Taucha. Foto: Stefan Schroeter



Bis 2022 plant der regionale Netzbetreiber Mitnetz Strom, 3,5 Mrd. Euro für Investitionen und Aufwendungen in das Stromnetz auszugeben. Das kündigte die Muttergesellschaft Enviam im April bei ihrer Bilanz-Pressekonferenz in Chemnitz an. Dabei sollen 70 Umspannwerke, 1.000 Kilometer Hochspannungsnetz und 10.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungsnetz aus- und neugebaut werden. Dafür sind 1,1 Mrd. Euro Investitionen nötig. Weitere 2 Mrd. Euro fallen in dieser Zeit als Betriebskosten für die Netze an. Der Netzausbau ist Enviam zufolge vor allem nötig, um Strom aus erneuerbaren Energien vom Erzeuger zum Verbraucher zu bringen.

Auch bei der Eigenerzeugung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien will die Enviam-Gruppe weiter zulegen. Bis 2022 sind hier Investitionen von 250 Mio. Euro vorgesehen. Im laufenden Jahr 2012 plant die für Erzeugung zuständige Tochtergesellschaft Envia Therm unter anderem, die installierte Leistung ihres Windparks in Kirchheilingen im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen von 6,5 auf 11,6 Megawatt steigern. Außerdem ist der Bau eines Bioerdgas-Blockheizkraftwerks vorgesehen.

Im Vertrieb bietet der Unternehmensverbund verschiedene Produkte aus 100 Prozent erneuerbaren Energien an. 180.000 Kunden hätten sich bereits für eines dieser Produkte entschieden, teilte die RWE-Tochter mit. Außerdem kündigte sie an, die Strompreise für Privat- und Gewerbekunden bis mindestens zum Jahresende 2012 stabil zu halten.

Der Jahresüberschuss der Enviam AG sank im Geschäftsjahr 2011 um 9 Prozent auf 252 Mio. Euro. Als Ursache nannte der Regionalversorger vor allem hohe Aufwendungen im Netzbereich. Dennoch blieb die vorgeschlagene Dividende mit 0,65 Euro je Aktie stabil. Von den so ausgeschütteten 161 Mio. Euro profitieren neben dem RWE-Konzern, auf den 58,57 % der Anteile entfallen, auch 700 ostdeutsche Kommunen, die 41,43 Prozent halten.

Die Umsatzerlöse gingen um 6 % auf 2,67 Mrd. Euro zurück. Die verkaufte Strommenge sank, überwiegend durch Kundenverluste, um 4 % auf 19,65 Terawattstunden. Dass die verkaufte Gasmenge nahezu um die Hälfte auf 2,47 TWh zurückging, liegt an einer neuen Vertriebsstrategie innerhalb der Unternehmensgruppe: Die Tochter Mitgas, an der Enviam inzwischen eine Dreiviertel-Mehrheit der Anteile hält, ist nun vorrangig dafür zuständig, neue Kunden zu gewinnen und bestehende Verträge zu verlängern. In den vergangenen Jahren hatte die Muttergesellschaft Enviam auch ein eigenes Gasgeschäft aufgebaut.



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