In Schleswig-Holstein hat der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz damit begonnen, den letzten Teilabschnitt einer Höchstspannungsleitung bis zur Landesgrenze nach Mecklenburg-Vorpommern zu bauen. Die Ost-West-Leitung soll möglichst bis zum Winter fertig werden. 16/05/2012


Höchstspannungsleitung und Umspannwerk in Bad Lauchstädt, wo die Südwest-Kuppelleitung beginnt. Foto: 50Hertz



Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat Anfang Mai in Schleswig-Holstein damit  begonnen, den letzten Teilabschnitt der 380-kV-Neubauleitung von Schwerin nach Hamburg zu bauen. Den nötigen Planfeststellungs-Beschluss für den letzten, 19 Kilometer langen Abschnitt der sogenannten Nordleitung hatte der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr im April gefasst. Damit wird der Lückenschluss zwischen der bereits 2010 fertiggestellten Leitung vom Umspannwerk Görries bei Schwerin bis zur Landesgrenze Mecklenburg-Vorpommern / Schleswig-Holstein und einer bestehenden Leitung ab Elmenhorst zur Schaltanlage Krümmel bei Hamburg vollzogen. Als Ziel nannte 50Hertz, die Leitung vor dem kommenden Winter in Betrieb nehmen zu können.

Die insgesamt dann 75 km lange Höchstspannungs-Freileitung von Schwerin nach Hamburg kostet knapp 100 Mio. Euro. 50Hertz zufolge ist die Nordleitung äußerst wichtig für die Integration der erneuerbaren Energien ins Netz, insbesondere der Windenergie. Mit dieser nunmehr vierten Verbindungsleitung auf der Höchstspannungs-Ebene zwischen den neuen und den alten Bundesländern könne die oftmals sehr unterschiedlich intensive Windenergie-Einspeisung in Norddeutschland sehr gut austariert werden, hieß es. Zudem steige mit der Nordleitung die Versorgungssicherheit des Großraums Hamburg.

Ein weiteres Neubauprojekt für eine fünfte Höchstspannungsleitung zwischen Ost- und Westdeutschland verfolgt 50Hertz mit der umstrittenen sogenannten Südwest-Kuppelleitung, die von Halle/Saale durch den Thüringer Wald zur bayerischen Landesgrenze führen soll. Für den dritten Abschnitt dieser Leitung hatte das Thüringer Landesverwaltungsamt im April 2011 das Raumordnungs-Verfahren abgeschlossen. Für den zweiten Abschnitt der Südwest-Kuppelleitung zwischen Vieselbach und Altenfeld hat das Amt im Februar 2012 die nächste Genehmigungsstufe, das Planfeststellungs-Verfahren, beendet. Dagegen hat es allerdings Klagen gegeben, so dass 50Hertz mit Verzögerungen rechnet. Der erste Abschnitt von Bad Lauchstädt nach Vieselbach ist bereits seit 2008 in Betrieb.

Im April hatte 50Hertz gemeinsam mit den anderen Betreibern deutscher Übertragungsnetze Amprion, Tennet und Transnet BW darauf hingewiesen, dass die Stromversorgungs-Sicherheit im vergangenen Winter stark gefährdet gewesen sei. Sie hätten die Engpass-Situationen gerade noch beherrschen können. „Allerdings waren aufgrund der engen Kraftwerkssituation gerade im Süden Deutschlands Eingriffsmöglichkeiten der Netzbetreiber temporär ausgeschöpft, auch hervorgerufen von Transportproblemen im Gasnetz, die zu einer Nichteinsetzbarkeit von Gaskraftwerken führten“, hieß es wörtlich. Als Lösungswege sehen sie unter anderem den Ausbau der Stromnetze und die Inbetriebnahme neuer Kraftwerke in Süddeutschland.



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