Die Gaserzeugung aus Kohle gilt als Schlüsseltechnologie, um den langfristigen Umstieg auf die Kohlechemie zu ermöglichen. Dabei soll das Treibhausgas Kohlendioxid einmal vollständig in Chemieprodukte und Energieträger eingebunden werden können, hieß es auf der Energie- und Chemierohstoff-Konferenz IFC in Leipzig. 30/05/2012


Anlagen für den Aufbau der chinesischen Kohlechemie werden auch aus Deutschland geliefert, wie dieser in Freiberg hergestellte Kohlevergaser. Foto: Siemens



Die Zukunft des heimischen Rohstoffs Braunkohle liegt nach Ansicht von Wissenschaftlern der Technischen Universität Freiberg in der Kohlechemie. Die Stromerzeugung in Braunkohle-Großkraftwerken gehe in den kommenden Jahrzehnten dramatisch zurück, sagte Rektor Bernd Meyer am Rand der Energie- und Chemierohstoff-Konferenz IFC (International Freiberg Conference on IGCC & XtL Technologies) Ende Mai in Leipzig. Damit werde Kohle frei für die chemische Nutzung. Als Schlüsseltechnologie für diesen Umstieg sieht er die Gaserzeugung aus Kohle. Dabei wird aus dem Rohstoff zunächst ein Synthesegas erzeugt, das sich dann in sogenannten Polygenerations-Anlagen auf unterschiedlichen Wegen weiter verarbeiten lässt.

Meyer zufolge ist es möglich, die Hälfte des Kohlenstoffs, den die Kohle enthält, in chemische Produkte einzubinden. Die andere Hälfte werde zunächst weiter als Kohlendioxid in die Umwelt ausgestoßen. Langfristig sieht er aber die Möglichkeit, auch diesen verbleibenden Kohlenstoff in Energieträger einzubinden. Dazu kann erneuerbarer Wasserstoff dienen, der in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich zunehmend per Elektrolyse aus überschüssigem Wind- und Solarstrom produziert wird. Aus Wasserstoff und CO2 lässt sich beispielsweise synthetisches Methan gewinnen, das als Energieträger in Erdgasleitungen eingespeist und in Untergrundspeichern gelagert werden kann.

Die TU Freiberg arbeitet derzeit mit mehreren Partnern daran, ein Demonstrationsprojekt für die Polygeneration am Chemiestandort Leuna bei Halle/Saale vorzubereiten. Meyer hält es auch für möglich, solche Demonstrationsanlagen an bestehenden Kohlekraftwerken in der Lausitz und im Rheinland zu bauen. Dort könne die bestehende Infrastruktur genutzt werden.

Großanlagen für die Kohlechemie werden derzeit vor allem in China gebaut, berichtete  Andrew Minchener vom Londoner IEA Clean Coal Centre – dem Zentrum für saubere Kohle der Internationalen Energieagentur. Zu den Techniklieferanten gehören deutsche Unternehmen wie Siemens und Lurgi. Zunehmend werden die Anlagen aber auch im eigenen Land produziert. Im Land der Mitte, das über große Kohlevorräte verfügt, sieht Minchener auch noch gute Chancen für die in Europa weitgehend ausgebremste Technik der Abtrennung und unterirdischen Lagerung von CO2 (Carbon Capture and Storage – CCS).

Michael L. Jones, Vizepräsident des US-amerikanischen Lignite Energy Council (Beirat für Braunkohle-Energie), beschrieb ein aktuelles CCS-Projekt des Stromversorgers Mississippi Power. Das abgetrennte CO2 aus seinem neuen Braunkohle-Kraftwerk in Kemper County soll in Erdölfelder verpresst werden und so die Fördermengen erhöhen.



Einen ausführlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.



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