Die Energieerzeugung soll sich stärker am regionalen Bedarf orientieren, fordert die Thüringer Landesregierung in einer Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan. Der Bau neuer Leitungen und hohe Netzentgelte dürften einzelne Regionen nicht zu stark belasten. 17/07/2012


Für eine 380-Kilovolt-Freileitung über Altenfeld nach Redwitz in Bayern wurde in Thüringen bereits das Raumordnungsverfahren abgeschlossen. Nun planen die Übertragungs-Netzbetreiber ein neues Projekt von Altenfeld nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurth. Karte: www.openstreetmap.org / CC-BY-SA 2.0



Thüringen betrachtet das neue Projekt für eine neue Stromtrasse von Altenfeld im Thüringer Wald nach Grafenrheinfeld in Bayern kritisch. Die Landesregierung wolle eine weitere Querung des touristisch bedeutsamen Thüringer Waldes möglichst vermeiden, hieß es in einer Stellungnahme zum 1. Entwurf des NEP Netzentwicklungsplans Strom 2012. In dem NEP-Entwurf haben die vier deutschen Betreiber von Strom-Übertragungsnetzen 50Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW ihre Ausbaupläne veröffentlicht.

Landes-Entwicklungsminister Christian Carius sprach sich dafür aus, zunächst die bereits geplante 380-Kilovolt-Freileitung über Altenfeld nach Redwitz in Bayern leistungsstark auszubauen. Für diesen Abschnitt, der zur umstrittenen Südwest-Kuppelleitung gehört, hatte die obere Landesplanungsbehörde im März 2011 das Raumordnungsverfahren abgeschlossen. Carius stellte nun die Frage, ob ihr Ausbau nicht die nun außerdem neu geplante Trasse von Altenfeld nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurth entbehrlich macht. Generell forderte er, dass sich die Energieerzeugung stärker am regionalen Bedarf orientieren solle, weil sonst Transitländer wie Thüringen durch zahlreiche neue Stromleitungen überfordert würden. Der Druck, neue Leitungen bauen zu müssen, gefährde die Akzeptanz der Energiewende entscheidend.

Nach Ansicht des Ministers darf der Netzausbau nicht zu einer unverhältnismäßigen Belastung einzelner Regionen führen. Bereits heute seien die Netzentgelte in Thüringen sehr hoch, obwohl ein Großteil des Stroms durch das Land transportiert werde. Die Kosten des Netzausbaus sollten stärker von den Ländern getragen werden, die perspektivisch einen hohen Importbedarf haben, forderte Carius. Darüber hinaus hält er es für notwendig,  Kompensationsmöglichkeiten für Regionen und Länder zu schaffen, die vom Leitungsausbau besonders stark betroffen sind. Beispielsweise könnten Sondernetzentgelte, die allein den Transitregionen zugute kommen, die Akzeptanz für Trassenkorridore erhöhen.

Zuletzt hatte auch die Deutsche Umwelthilfe den NEP-Entwurf kritisiert. Er ermögliche zwar die Energiewende, aber ebenso die Rückkehr zu einem zentralistischen Stromsystem auf Basis großer Kohlekraftwerke. Die Übertragungs-Netzbetreiber hätten die Tendenz, eher nach der Maxime „so viel Netz wie möglich, statt so viel Netz wie nötig“ zu handeln.

Der NEP-Entwurf wird noch überarbeitet und in einer neuen Fassung veröffentlicht, zu der Behörden und die Öffentlichkeit ihre Stellungnahmen abgeben können. Anschließend wird der Netzentwicklungsplan von der Bundesnetzagentur geprüft und dient dann als Grundlage für den Bundesbedarfsplan der Bundesregierung. Zuletzt beschließt der Bundestag, welche Stromtrassen zur Sicherung der Energieversorgung notwendig sind.




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