EP Energy hat nach der vollständigen Übernahme des Braunkohleförderers nun auch Anteile an einem der belieferten Kraftwerke übernommen. Bei Mibrag fällt auf, dass das bisher profitable Unternehmen zuletzt tiefrote Zahlen schrieb und dennoch hohe Summen an seine Gesellschafter überwies. 19/07/2012


Kraftwerk_Schkopau_gross.jpgDas Großkraftwerk Schkopau verstromt Braunkohle aus dem Mibrag-Tagebau Profen. Foto: Felix Abraham, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons



Der tschechische Energiekonzern EP Energy hat sich mit 41,9 Prozent am  Braunkohlekraftwerk Schkopau bei Halle/Saale beteiligt. Dazu übernahm EP den Anteilseigner Saale Energie für 141 Mio. Euro vom US-amerikanischen Konzern NRG Energy. Die Mehrheit der Anteile hält weiterhin Eon Kraftwerke.

Das Braunkohlekraftwerk Schkopau verfügt über eine installierte Stromleistung von 900 Megawatt. Es erzeugt Strom für die öffentliche Versorgung, den benachbarten Chemiestandort und die Deutsche Bahn. Der Brennstoff wird von der EP-Tochter Mibrag aus ihrem Tagebau Profen geliefert. Den Braunkohleförderer hatte das tschechische Unternehmen erst Ende Juni vollständig übernommen, als es die zweite Hälfte der Anteile für eine ungenannte Summe vom ebenfalls tschechischen Energiekonzern ČEZ erwarb.

Mit der Schkopauer Kraftwerksbeteiligung könne der Kohleabsatz der Mibrag-Tagebaue langfristig gesichert werden, teilte EP mit. Eine ähnliche Strategie hatte früher auch NRG verfolgt, das über viele Jahre gleichzeitig an Mibrag und am Kraftwerk Schkopau beteiligt war. Die Amerikaner, die früher kräftig in Mittel- und Osteuropa expandiert hatten, haben sich inzwischen vollständig aus Europa zurückgezogen.

Mibrag versorgt neben Schkopau vor allem auch das Vattenfall-Großkraftwerk Lippendorf mit Braunkohle aus dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain. Im Jahr 2010 erwirtschaftete das Unternehmen mit 2.000 Beschäftigten einen Umsatz von 387 Mio. Euro. Ungewöhnlich war , dass der bis dahin profitable Braunkohleförderer einen hohen Verlust von 135 Mio. Euro auswies, der im Geschäftsbericht mit veränderten Bilanzierungsmethoden erklärt wurde.

In diesem Verlust sind auch 70 Mio. Euro enthalten, die Mibrag aufgrund eines „Ergebnisabführungsvertrages“ an die damaligen Gesellschafter ČEZ und EP zahlte. Außerdem agierte das Bergbauunternehmen wie eine Bank und gewährte ihnen ein Darlehen von 220 Mio. Euro. Wie sich diese Finanzströme weiter entwickelt haben, ist nicht bekannt. Bisher hat Mibrag keine Geschäftszahlen für 2011 veröffentlicht und beantwortet keine Fragen dazu.

EP ist nach eigenen Angaben größter Wärmelieferant und zweitgrößter Stromerzeuger der Tschechischen Republik. Zum Konzern gehört unter anderem der Prager Wärmeversorger und Kraftwerksbetreiber Pražská teplárenská. Mit seinen neuen deutschen Beteiligungen verfügt er über eine Stromleistung von insgesamt 1.477 MW und eine Wärmeleistung von insgesamt 4.744 MW. Darin ist eine rechnerische Kraftwerksscheibe von 400 MW Stromleistung aus der Schkopau-Beteiligung enthalten.

EP beschäftigt 4.400 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2011 einen Umsatz von 39 Mrd. Kronen (1,5 Mrd. Euro) sowie einen Vorsteuer-Gewinn von 7,3 Mrd. Kronen (297 Mio. Euro). Der Konzern ist eine vollständige Tochter der EPH Energetický a průmyslový Holding. An EPH halten wiederum die Investment- und Finanzgruppe PPF und die im gleichen Sektor aktive J&T-Gruppe jeweils 40 %.  Ein Anteil von 20 % gehört Manager Daniel Křetínský.



Lesen Sie auch:

Kleiner Fortschritt im Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde

Schicksalsfrage für die deutsche Braunkohle

Mibrag plant ein „Sprinter“-Kraftwerk für Braunkohle