Die Stromerzeugung aus Braunkohle ist zuletzt gestiegen, auch weil mit der Energiewende einige Kernkraftwerke stillgelegt wurden. Die wachsende Produktion von Ökostrom und seine vorrangige Netzeinspeisung macht es notwendig, dass sich die Kraftwerke besser als bisher an die Schwankungen von Wind und Sonne anpassen können. 23/07/2012


Braunkohlekraftwerke wie hier in Lippendorf brauchen mehrere Stunden, um einen abgeschalteten Kessel wieder hochzufahren. Foto: Stefan Schroeter



Braunkohlekraftwerke (BKW) gehören bisher zu den Gewinnern der Energiewende. So weitete der Energiekonzern RWE die Stromerzeugung in seinen BKW im Jahr 2011 um 3 Milliarden auf 68 Mrd. Kilowattstunden aus, Vattenfall verzeichnete ein Plus von 1,5 Mrd. auf 53 Mrd. kWh. Insgesamt stieg die bundesweite Produktion von  Braunkohlestrom um fünf Prozent auf 153 Mrd. kWh, ermittelte der Statistikverein der Kohlenwirtschaft. Ein Teil dieser Zuwächse ist sicherlich auf die Abschaltung mehrerer Kernkraftwerke nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 zurückzuführen.

Die wachsende Produktion von Ökostrom und seine vorrangige Netzeinspeisung stellt die BKW allerdings auch vor große technische Herausforderungen. Eigentlich sind sie dafür ausgelegt, dass sie mit hoher Leistung stabil über einen langen Zeitraum gefahren werden. Doch nun müssen sie ihre Leistung herunterfahren, wenn Solar- und Windanlagen viel Strom produzieren, und hochfahren, wenn an trüben Tagen kein Wind weht. Besonders groß sind die Schwankungen im Netzgebiet von 50Hertz, das sich über Ostdeutschland und Hamburg erstreckt, und in dem Vattenfall seine BKW betreibt. Um den gesetzlich verankerten Einspeisevorrang für Ökostrom zu gewährleisten, muss Vattenfall häufig die Leistung seiner Kraftwerke einsenken und mitunter sogar Dampfkessel ganz abschalten. 

Allerdings können die BKW sich nur schwerfällig an die Schwankungen von Solar- und Windstrom anpassen. Im Kraftwerk Jänschwalde dauert es eine Stunde, bis ein 500-MW-Block von voller Leistung auf 180 MW heruntergefahren werden kann. Der umgekehrte Prozess ist schwieriger: Zwar braucht der Block nur 25 Minuten, bis er mit dem noch aktiven Kessel eine Leistung von 270 MW erreicht. Doch es sind vier Stunden nötig, bis auch der abgeschaltete zweite Kessel wieder voll in Betrieb ist und der Block mit voller Last gefahren werden kann.

Neuere BKW lassen sich schneller regeln, haben aber auch eine höhere Mindestlast. Damit sind sie deutlich weniger flexibel als moderne Gaskraftwerke. Eine Möglichkeit, seine BKW besser regelbar zu machen, sieht Vattenfall im verstärkten Einsatz von Trockenbraunkohle. Doch eine Investitionsentscheidung dafür hat der Konzern bisher noch nicht getroffen.

Auch RWE muss mitunter seine BKW-Leistung in Nordrhein-Westfalen stark anpassen, wenn viel Ökostrom ins Netz drängt. Insgesamt ist die Situation in den dortigen Stromnetzen aber offenbar entspannter als in Ostdeutschland: Anders als Vattenfall muss RWE derzeit keine Dampfkessel wegen hoher Ökostrom-Einspeisung vollständig abschalten.



Einen ausführlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.




Lesen Sie auch:

Braunkohle wird künftig vor allem chemisch genutzt

Schwere Zeiten für neue Großkraftwerke

Braunkohle-Länder werben für den heimischen Rohstoff