Moderne Anlagentechnik macht es möglich, aus Braunkohle nicht nur Strom und Wärme zu produzieren. Über den Zwischenschritt der Synthesegas-Erzeugung lassen sich auch flüssige und gasförmige Energieträger sowie Chemieprodukte gewinnen. 17/08/2012


Deutsche Braunkohlekraftwerke wie hier in Lippendorf verfeuern den heimischen Rohstoff konventionell in Kesseln. Modernere Konzepte ermöglichen es, die energetische und stoffliche Nutzung von Braunkohle miteinander zu verbinden. Foto: Stefan Schroeter



Der US-amerikanische Stromversorger Mississippi Power baut derzeit ein Kombikraftwerk mit integrierter Gaserzeugung (Integrated Gasification Combined Cycle – IGCC) im Landkreis Kemper. Das IGCC-Kraftwerk soll ab 2014 aus Braunkohle zunächst ein wasserstoffreiches Synthesegas erzeugen, mit dem dann Gasturbinen Strom mit 582 Megawatt Leistung generieren können. Das Treibhausgas Kohlendioxid, das bei der Braunkohleverbrennung in besonders großen Mengen freigesetzt wird, wollen die Techniker zu 65 Prozent auffangen und per Pipeline zu einer Erdöl-Lagerstätte pumpen. Dort soll es eine erhöhte Förderausbeute ermöglichen. Allerdings sind die ursprünglich veranschlagten Baukosten von 2,4 Mrd. US-Dollar für das Kemper-Projekt inzwischen deutlich gestiegen.

Die Braunkohlenutzung über Synthesegas wird auch in China immer wichtiger. So fertigt der deutsche Industriekonzern Siemens derzeit mehrere große Kohlevergaser für eine Methanisierungsanlage in der chinesischen Provinz Xingjiang. Hier will ein Stromversorger aus heimischer Hartbraunkohle ein Synthesegas erzeugen, das anschließend in synthetisches Erdgas umgewandelt wird. Dieses SNG (Synthetic Natural Gas) kann in die vorhandenen Erdgasleitungen eingespeist werden. Vor einigen Jahren hatte Siemens auch noch eine Synthesegasanlage mit Braunkohle am sächsischen Standort Spreetal geplant. Dieses Projekt verfolgt der Konzern inzwischen nicht mehr. Eine aktive Synthesegas-Produktion aus Braunkohle gibt es derzeit im tschechischen Chemiewerk Vresova. Sie speist dort ein IGCC-Kraftwerk mit 400 MW Stromleistung.

Grundsätzlich ist es auch möglich, Synthesegas aus Braunkohle in einer Anlage alternativ für die Produktion von Strom und Wärme, flüssigen Energieträgern und Chemieprodukten zu nutzen. Mit Spannung wird daher das Demonstrationsprojekt für eine Polygenerationsanlage erwartet, das derzeit mehrere Partner um den Braunkohleförderer Mibrag und den Anlagenbauer Linde am Chemiestandort Leuna bei Halle/Saale vorbereiten. Mibrag will in Profen, Sachsen-Anhalt, allerdings auch noch ein Großkraftwerk mit konventioneller Kesselfeuerung bauen.

Die etablierten deutschen Braunkohle-Großkraftwerksbetreiber RWE und Vattenfall verfolgen derzeit keine Projekte für IGCC-Kraftwerke und Polygenerationsanlagen. RWE hatte zwar zeitweise ein IGCC-Kraftwerk mit CO2-Abtrennung geplant, sich davon aber wegen der unsicheren Rahmenbedingungen für die CO2-Speicherung wieder verabschiedet.



Einen ausführlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.



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