Das Bergbauunternehmen hat in zwei Jahren ungewöhnlich hohe Geldsummen an seine neuen tschechischen Gesellschafter ausgezahlt. Sie übersteigen inzwischen den Preis, zu dem vor drei Jahren noch das ganze Unternehmen verkauft wurde. 23/08/2012


Im Tagebau Vereinigtes Schleenhain fördert Mibrag Rohbraunkohle für das Großkraftwerk Lippendorf. Dafür musste zuletzt die Ortschaft Heuersdorf weichen. Foto: Stefan Schroeter



Beim Zeitzer Braunkohleförderer Mibrag hat es ungewöhnliche Finanztransaktionen mit mehreren hundert Millionen Euro gegeben. Das geht aus den Geschäftsberichten für die Jahre 2010 und 2011 hervor. So hat der Kohleförderer im Geschäftsjahr 2010 an seine Gesellschafter eine Summe von 95 Mio. Euro ausgezahlt, obwohl der Gewinn 2009 und der Gewinnvortrag aus dem Vorjahr zusammen nur 75 Mio. Euro ergaben. Warum hat Mibrag 20 Mio. Euro mehr überwiesen?

Ebenfalls im Jahr 2010 agierte der Kohleförderer gegenüber seinen Gesellschaftern wie eine Bank und vergab an sie ein Darlehen über 220 Mio. Euro. Dabei ist ihm dies offenbar keineswegs leicht gefallen. Denn im selben Jahr musste Mibrag selbst 250 Mio. Euro Verbindlichkeiten bei einem Bankenkonsortium refinanzieren. Warum verleiht das Unternehmen in einer solchen Situation selbst eine so hohe Summe an seine Gesellschafter, und welche Rückzahlungsfrist wurde vereinbart?

Ungewöhnlich war 2010 auch, dass das bis dahin profitable Unternehmen einen hohen Verlust von 135 Mio. Euro auswies, der im Geschäftsbericht mit veränderten Bilanzierungsmethoden erklärt wurde. In diesem Verlust sind auch 70 Mio. Euro enthalten, die Mibrag aufgrund eines „Gewinnabführungsvertrages“ an seine Gesellschafter zahlte. Warum hat der Kohleförderer selbst bei einem hohen Verlust noch so viel „Gewinn“ abgeführt?

Mibrag beantwortet diese Fragen nicht. Über den jährlichen Geschäftsbericht hinaus werde das Unternehmen keine weiteren Auskünfte erteilen, hieß es auf Anfrage in der Pressestelle. Das ist ein deutlicher Unterschied zu der Zeit, als noch US-amerikanische Gesellschafter die Mibrag-Anteile hielten. Damals wurden die Geschäftsergebnisse regelmäßig auf Pressekonferenzen vorgestellt.

Eine nachvollziehbare öffentliche Kommunikation ist auch notwendig bei einem der größten Unternehmen in der Region, das mit dem Braunkohle-Bergbau zudem immer wieder tief in öffentliche Interessen eingreift. Zuletzt hatte es einen jahrelangen Konflikt um die Umsiedlung der Ortschaft Heuersdorf gegeben, deren Territorium Mibrag inzwischen mit seinem Tagebau Vereinigtes Schleenhain abbaggert.

Der tschechische Stromkonzern CEZ und die tschechische Finanzinvestoren-Gruppe J&T hatten Mibrag 2009 für 404 Mio. Euro von den US-Konzernen NRG Energy und URS übernommen. Die Summen, die Mibrag inzwischen als „Gewinn“ und Darlehen an seine neuen Gesellschafter überwiesen hat, übersteigen diesen Kaufpreis schon deutlich. Seitdem hat es bei den Gesellschaftern weitere Bewegungen gegeben. J&T hat seinen Mibrag-Anteil inzwischen an die Tochter EPH Enerticky a Prumyslovy Holding weitergereicht, an der auch die tschechische Investment- und Finanzgruppe PPF beteiligt ist. Erst kürzlich verkaufte CEZ seinen Mibrag-Anteil an EPH, die damit nun sämtliche Anteile des Braunkohleförderers hält.

Im Geschäftsjahr 2011 hat Mibrag mit einem Umsatz von 395 Mio. Euro wieder einen nachvollziehbaren Gewinn von 67 Mio. Euro erwirtschaftete, der vollständig an die Gesellschafter abgeführt wird. Das Unternehmen beschäftigt 2.000 Mitarbeiter und beliefert vor allem die Großkraftwerke Lippendorf und Schkopau mit Rohbraunkohle. Außerdem produziert es kleinere Mengen Strom und Wärme sowie Braunkohlestaub. 2011 hat Mibrag eine schon stillgelegte Brikettproduktion wieder aufgenommen.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.



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