Interview mit Dr. Adolf Schweer, technischer Geschäftsführer der Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH, beim Sicherheitssymposium von Enviam und Technischem Hilfswerk in Leipzig.


Immer mehr Leitungen für Stromlieferungen nach Westen – Dr. Adolf Schweer. Foto: Stefan Schroeter



Ihr Unternehmen berichtet darüber, dass durch die starke Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien immer häufiger die Netzstabilität gefährdet ist. Ist es deshalb auch schon zu Stromausfällen gekommen?


Nein. Wir müssen immer häufiger die erneuerbaren Einspeiser abschalten. Strom aus Wind und Fotovoltaik hat Vorrang. Wenn es aber zu viel Strom ist, dann geht das nicht mehr. Vor ein paar Jahren mussten wir die Erneuerbaren noch drei, vier Mal im Jahr abschalten. Im vergangenen Jahr waren es 50 Mal. Wenn das Netz überlastet wird, kann es zusammenbrechen. Bisher haben wir gemeinsam mit dem Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz alles im Griff. Wir wollen das Thema nicht überdramatisieren, aber irgendwann einmal könnte es passieren, weil wir immer enger an den Grenzen sind.



Gibt es eigentlich Strompreis-Vorteile für Unternehmen, die sich in Regionen ansiedeln, wo viel Strom aus erneuerbaren Energien produziert wird?


Das würde das Problem lösen. Wir müssen immer mehr Leitungen bauen, weil wir hier Strom erzeugen, der im Westen verbraucht wird. Wenn wir den Anreiz kriegen würden, hier mehr Verbrauchslasten hinzubringen, könnten wir die erneuerbaren Energien noch einige Jahre so wie bisher weiter ausbauen. In Westdeutschland gibt es dieses Problem nicht: Dort haben sie 15 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, während wir hier 50 Prozent haben. Sachsen-Anhalt hat schon 80. Früher hat man immer die Kraftwerke dorthin gebaut, wo die Last war. Da brauchte man den Strom nicht mehr so weit transportieren.



Oder man hat die Fabriken dorthin gebaut, wo die Tagebaue waren. Im Moment gibt es also keine Vorteile für Unternehmen, die sich in Regionen mit viel Ökostrom ansiedeln?


Nein. Momentan gibt es eine große Diskussion in der Politik darüber, was der Stromtransport und die Sicherheit der Stromversorgung kosten, wie hoch die EEG-Umlage steigt und ob man Sozialtarife für benachteiligte Bevölkerungsgruppen einführen soll.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.




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