Die bestehenden Braunkohle-Großkraftwerke des Stromproduzenten sollen in den nächsten Jahren noch etwas flexibler und effizienter werden. An der Entwicklung der Synthesegas-Kraftwerkstechnik will er sich nicht beteiligen. 


Vattenfalls Großkraftwerk Lippendorf nutzt die Energie der eingesetzten Rohbraunkohle aus dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain nur knapp zur Hälfte. Foto: Stefan Schroeter



Der Stromproduzent VEG Vattenfall Europe Generation will den nächsten Jahren daran arbeiten, Flexibilität und Wirkungsgrad seiner bestehenden Braunkohle-Großkraftwerke zu verbessern. Derzeit könne im Kraftwerk Lippendorf ein Kraftwerksblock mit 920 Megawatt Stromleistung in 20 Minuten bis auf 400 MW heruntergefahren werden, sagte VEG-Vorstand Hubertus Altmann Anfang September beim Leutzscher Gespräch in Leipzig. Bei einer weiteren Leistungsabsenkung werde derzeit die Verbrennung instabil, so dass der Block ganz abgeschaltet werden müsse. „Wir wollen damit bis auf 250 Megawatt herunterkommen“, sagte Altmann. Er kündigte an, dass sein Unternehmen bis 2020 einen oder mehrere Blöcke entsprechend umrüsten werde.

Ein schnelles Hoch- und Herunterfahren von Braunkohlekraftwerken ist notwendig, um den gesetzlichen Einspeisevorrang von Strom aus erneuerbaren Energien zu gewährleisten. Altmann räumte ein, dass mitunter auch Windräder abgeschaltet werden, während die Braunkohlekraftwerke noch laufen. „Das bestimmt der Netzbetreiber“, erklärte der VEG-Vorstand.

Auch den Wirkungsgrad der Großkraftwerke will das Unternehmen noch verbessern. Sein neuester Braunkohleblock in Boxberg, der im Oktober offiziell in Betrieb geht, soll 44 Prozent der eingesetzten Energie in Strom umwandeln können. Mit einer neuen Technik, der Trockenbraunkohle-Feuerung, hält Altmann es für möglich, auch bis zu 50% zu erreichen. Diese Technik werde derzeit in Versuchsanlagen erprobt. Nach früheren Informationen soll der Heizwert von Trockenbraunkohle zweieinhalb Mal so hoch sein wie bei Rohbraunkohle. Um sie zu gewinnen, wird die Abwärme des Kraftwerks genutzt.

Nach Altmanns Worten gibt es derzeit keine Überlegungen bei VEG, sich an der Entwicklung von flexiblen Synthesegas-Kraftwerken zu beteiligen. Bei dieser Technik wird aus der Kohle zunächst ein Synthesegas erzeugt, das dann zur Strom- und Wärmeproduktion dient. Wird weniger Strom gebraucht, kann das Synthesegas auch zur Produktion von flüssigen und gasförmigen Energieträgern oder von chemischen Produkten genutzt werden. Sein Unternehmen habe sich vor einigen Jahren gemeinsam mit Partnern in der Chemieindustrie mit dieser Technik beschäftigt, sagte der Manager. „Sie ist so teuer, dass sie sich überhaupt nicht rechnet.“ Außerdem hätten die Anlagen eine komplexe, schwer beherrschbare  Struktur. Entsprechende Pilotanlagen seien bei Vattenfall daher nicht zu erwarten. „Ich muss meinen Ingenieuren sogar verbieten, in diese Richtung zu denken“, bekräftigte er.

Bekanntlich ist die Synthesegas-Erzeugung unter anderem im sächsischen Freiberg zur Industriereife entwickelt worden, die hier produzierten Anlagen werden derzeit vor allem an Chemieunternehmen und Energieerzeuger in China geliefert. In Deutschland bereiten mehrere Partner um den Braunkohleförderer Mibrag und den Anlagenbauer Linde ein Demonstrationsprojekt am Chemiestandort Leuna bei Halle/Saale vor.



Lesen Sie auch:

Kohlendioxid fordert die Braunkohlewirtschaft heraus

Braunkohlekraftwerke reagieren langsam auf Ökostrom-Einspeisung

Braunkohle wird künftig vor allem chemisch genutzt