Der neue Großkraftwerks-Block von Vattenfall Europe nutzt den eingesetzten Rohstoff zu knapp 44 Prozent. Das Unternehmen könnte die Effizienz solcher Großanlagen künftig noch etwas steigern.


Der Boxberger Kraftwerksblock R (vorn) setzt weltweit Maßstäbe für Braunkohle-Großkraftwerke. Aber eigentlich ist der heimische Rohstoff viel zu schade dafür, ihn nur zu verbrennen. Foto: Stefan Schroeter



Der Stromkonzern VE Vattenfall Europe hat Mitte Oktober den neuen Block R im sächsischen Braunkohlekraftwerk Boxberg offiziell in den Dauerbetrieb genommen. Die erste Netzschaltung war bereits im Februar erfolgt. Box-R, wie der Block bei Vattenfall auch genannt wird, erreicht eine Stromleistung von 675 Megawatt und nutzt den eingesetzten Rohstoff mit einem vergleichsweise hohen Wirkungsgrad von knapp 44 Prozent. Um letzteres zu erreichen, wurde unter anderem im Kessel die neue Stahlsorte T24 eingesetzt, die höhere Dampftemperaturen ermöglicht.

Bei dieser Stahlsorte traten allerdings wie in anderen deutschen Kraftwerks-Neubauten Probleme auf. Kesselbauer Hitachi Power Europe musste deshalb unter anderem einen großen Teil der Kessel-Heizflächen auswechseln und veränderte Prozesse für Herstellung, Montage und Inbetriebsetzung einführen. Der Bau von Box-R dauerte deshalb zwei Jahre länger und wurde mit 1 Mrd. Euro auch um ein Viertel teurer als ursprünglich geplant.

In Boxberg betreibt VE außerdem den 2000 fertiggestellten Block Q mit 900 MW und zwei ältere Blöcke mit je 500 MW. Einschließlich der Großkraftwerke in Jänschwalde, Lippendorf und Schwarze Pumpe kommt das Unternehmen auf eine Braunkohle-Stromleistung von insgesamt 8.095 MW. VE-Vorstandschef Tuomo Hatakka kündigte an, die Effizienz dieser Anlagen mit neuen Verfahren zur Braunkohletrocknung zu erhöhen. Der Wirkungsgrad könne so um weitere vier bis fünf Prozent steigen, Kohleverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß würden dadurch sinken.

Hatakka zeigte sich optimistisch, dass VE noch einmal eine Möglichkeit hat, in der Lausitz ein Kraftwerk mit Abtrennung von CO2 (Carbon Capture and Storage – CCS) zu bauen. Bekanntlich hatte das Unternehmen aufgrund der unsicheren Gesetzeslage seine Planungen für ein CCS-Demonstrationskraftwerk in Jänschwalde gestoppt, betreibt aber seine CCS-Pilotanlage in Schwarze Pumpe weiter. „In diesem Zusammenhang begrüßen wir es, dass die Europäische Union daran arbeitet, ein Europa umspannendes Netz zum CO2-Transport und für die Speicherung zu konzipieren und aufzubauen“, sagte der VE-Vorstandschef.

Unterstützung erhielt er von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Es sei wichtig, auf die Nutzung des einheimischen Rohstoffes Braunkohle zu setzen. Damit finde Wertschöpfung in einer Region statt, wo über Jahrzehnte und Generationen hinweg Menschen damit ihr Einkommen bestritten hätten. Nach Tillichs Auffassung ist dieser Rohstoff zwar eigentlich viel zu schade dafür, ihn nur zu verbrennen. Damit meinte er vermutlich die neuen Möglichkeiten, Braunkohle in Synthesegas-Anlagen nicht nur für die Stromerzeugung, sondern auch zur Produktion von flüssigen und gasförmigen Energieträgern sowie von Chemie-Rohstoffen zu nutzen. Dennoch bezeichnete der Ministerpräsident den neuen Boxberger Block als die weltweit beste Alternative für die Braunkohleverstromung.



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.



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