Der starke Ausbau von Ökostromanlagen verursacht im Verteilnetz des Betreibers Mitnetz Strom zunehmend Netzengpässe und Kraftwerks-Abschaltungen. Die Netzentgelte steigen, obwohl das Unternehmen die eigenen Kosten deutlich senkt.


Der Unternehmenssitz des Verteilnetz-Betreibers Mitnetz Strom in Halle/Saale. Archivfoto: Stefan Schroeter


Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ist im Gebiet des Verteilnetz-Betreibers Mitnetz Strom weiter stark gewachsen. In seinem Netzgebiet, das sich über Teile der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstreckt, stieg die Ökostrom-Einspeisung 2012 gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 9,6 Milliarden Kilowattstunden. Dies entspreche dem Stromverbrauch von mehr als 3,8 Millionen Haushalten in Ostdeutschland pro Jahr, teilte das in Halle/Saale ansässige Tochterunternehmen des Regionalversorgers Enviam mit. Die installierte Leistung der Ökostrom-Anlagen sei um mehr als 20% auf 6.292 Megawatt gestiegen. Mit dem produzierten Strom wuchs auch die Einspeisevergütung nach dem EEG Erneuerbare Energien Gesetz, die Mitnetz an die Anlagenbetreiber ausgezahlt hat: Sie erhöhte sich um 14% auf 1,28 Mrd. Euro.

Mitnetz zufolge wird in Ostdeutschland schon jetzt an bestimmten Tagen deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt als verbraucht. 2012 habe die installierte Leistung im Netzgebiet etwa doppelt so hoch gelegen wie der Bedarf. Als wichtigste erneuerbare Energiequelle wurde die Windenergie genannt, gefolgt von Solarenergie, Biomasse, Wasserkraft und Deponiegas. Der am stärksten wachsende erneuerbare Energieträger sei weiterhin die Solarenergie.

Durch den starken Ausbau von Ökostromanlagen kommt es vor allem in Brandenburg und Sachsen-Anhalt zunehmend zu Netzengpässen. Um Überlastungen der Leitungen zu vermeiden, musste Mitnetz im vergangenen Jahr insgesamt 97 Mal die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien herunterfahren, vornehmlich aus Wind und Sonne. Damit hat sich die Zahl dieser Eingriffe gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. 2010 waren es sogar nur 16 Eingriffe.

Im laufenden Jahr plant Mitnetz, 277 Mio. Euro für Investitionen und Betriebsaufwand im Netzgebiet auszugeben. 2012 hatte das Unternehmen dafür noch 350 Mio. Euro aufgewendet. Von der nun geplanten Summe entfallen 99 Mio. Euro auf den Netzausbau, der durch die wachsende Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien notwendig wird. Außerdem werden Umspannwerke und Trafostationen modernisiert sowie Freileitungen im Mittelspannungsnetz durch Erdkabel ersetzt. Der technische Geschäftsführer Adolf Schweer sprach sich dafür aus, den Ausbau der erneuerbaren Energien an den Ausbau der Netze zu koppeln. Notwendig sei auch, vorausschauend erneuerbare Energien dort anzusiedeln, wo ein entsprechender Bedarf bestehe und Netze vorhanden seien.

Die Kosten des Netzbetriebs stellt das Unternehmen als Netzentgelte den Stromlieferanten in Rechnung, die Strom über Mitnetz-Leitungen an ihre Kunden liefern. Diese Netzentgelte sind trotz der voraussichtlich sinkenden Mitnetz-Kosten im laufenden Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt um 12% gestiegen. Als Ursache dafür nennt Mitnetz die um 40% gestiegenen Netzentgelte des vorgelagerten Übertragungs-Netzbetreibers 50Hertz. Dieser habe den Anstieg mit höheren Netzkosten für Meeres-Windparks und die Ökostrom-Einspeisung an Land sowie Mehrkosten für die Netzstabilität begründet.