Die Ukraine will ab 2016 Flüssigerdgas importieren und sich so weniger abhängig von Erdgaslieferungen aus russischen Leitungen machen. Doch die dafür notwendigen Investoren fehlen bisher.


Hohe Erdgaspreise belasten die ukrainische Wirtschaft. Archivfoto: Podcem


Die Ukraine hat ihre Überlegungen für den Bau eines Importterminals für verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas – LNG) bei der Hafenstadt Odessa konkretisiert. Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des Landes und der Europäischen Union zur Energie-Kooperation hervor. Eine Machbarkeitsstudie habe ergeben, dass das LNG-Terminal für 969 Millionen Euro gebaut werden und bis 2016 in Betrieb gehen könne, heißt es darin. Jeweils ein Viertel der Kosten sollen die ukrainische Regierung und ein Projektkonsortium tragen. Für die verbleibende Hälfte sind ungenannte internationale Investoren eingeplant.

Für welche Erdgasmengen das Importterminal ausgelegt werden soll, geht aus dem Dokument nicht hervor. Internationalen Medienberichten zufolge könnte es jährlich 10 Milliarden Kubikmeter importieren. Im November 2012 hatte die ukrainische Regierung bereits einen Vertrag mit einem angeblichen spanischen Investor für das LNG-Terminal unterzeichnet, der dann allerdings als Schwindler entlarvt wurde.

Die Ukraine ist traditionell stark auf den Import von Erdgas angewiesen, der bisher fast ausschließlich über russische Leitungen erfolgt. Mit dem russischen Erdgaslieferanten Gasprom streitet sich die jeweilige ukrainische Regierung regelmäßig über die Preise für den Import und für den Transit russischen Erdgases nach Mittel- und Westeuropa. Dabei kam es in der Vergangenheit mitunter auch zu Lieferunterbrechungen.

Der letzte große Konflikt im Winter 2009 hatte mit einem langfristigen Abkommen geendet, dem zufolge der ukrainische Importeur Naftogas in den vergangenen Jahren mit mehr als 400 US-Dollar (308 Euro) je 1.000 Kubikmeter einen sehr hohen Preis für russisches Erdgas zahlen musste. Medienberichten zufolge hat Naftogas im vergangenen Jahr 2012 den vertraglich vereinbarten Import russischen Erdgases von 52 Mrd. m³ stark auf 33 Mrd. m³ abgesenkt. Nach Ansicht von Gasprom wäre für diese Minderabnahme eine Vertragsstrafe von 7 Mrd. US-Dollar (5,4 Mrd. Euro) fällig, doch Naftogas erkennt diese Forderung nicht an.

Mit dem LNG-Terminal könnte die Ukraine künftig Flüssigerdgas per Tankschiff aus jeder beliebigen Förderregion der Welt beziehen. Damit wäre sie weniger abhängig von den Erdgaslieferungen, die über den russischen Leitungsweg erfolgen. Auf diesem Weg erhält das Land bisher auch Erdgas aus den mittelasiatischen Förderländern Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan. Derzeit versucht es außerdem, die eigene Gasförderung auszubauen. Zuletzt hatte es dafür Abkommen mit den Öl- und Gaskonzernen Shell, Chevron und Exxonmobil unterzeichnet.

Möglicherweise kann die Ukraine inzwischen schon oder künftig auch Erdgas aus westlicher Richtung beziehen. Mit dem deutschen Energiekonzern RWE soll Naftogas im vergangenen November schon die Lieferung von 5 Mrd. m³ vereinbart haben. Dazu müssten die Erdgas-Pipelines, die bisher für den Transport von Ost nach West ausgelegt sind, für den Umkehrfluss ausgerüstet sein. Übergangsweise kann auch ein „virtueller Umkehrfluss“ vereinbart werden.