Der Investor einer in Leuna geplanten Demonstrationsanlage für die Synthesegas-Erzeugung aus Braunkohle hat sich zurückgezogen. Das Projektbündnis Ibi will die übrigen Prozesse nun als Baukastensystem entwickeln.


Braunkohle kann nicht nur zur Stromerzeugung verbrannt, sondern auch als Rohstoff für chemische Produkte genutzt werden. Das Foto zeigt den Tagebau Vereinigtes Schleenhain und das von ihm belieferte Kraftwerk Lippendorf. Foto: Stefan Schroeter


Durch die gesunkenen Preise im Erdgas-Großhandel sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die stoffliche Nutzung von Braunkohle schwieriger geworden. Darauf wies Andreas Hiltermann hin, Vorstand des Projektbündnisses Ibi Innovative Braunkohlenintegration in Mitteldeutschland. „Damit hat die Synthesegas-Gewinnung wie auch Katalyse aus Braunkohle den Substitutions-Wettbewerb gegen Erdgas für das nächste Jahrzehnt nicht gewonnen“, sagte Hiltermann gestern beim 2. Ibi-Fachsymposium in Halle/Saale. Ursprünglich seien die Projektpartner von einem stetigen Anstieg der Erdgaspreise ausgegangen, der wie in der Vergangenheit auch weiterhin parallel zum Anstieg der Erdölpreise verlaufen würde.

Die Synthesegas-Erzeugung ist der entscheidende Prozess bei der stofflichen Nutzung von Braunkohle. Aus dem Synthesegas können flüssige und gasförmige Chemie-Vorprodukte, aber auch Energieträger gewonnen werden. Der dafür nötige Synthesegas-Erzeuger erfordert allerdings hohe Investitionen. Sie können bei steigenden Erdöl- und Erdgaspreisen zunehmend durch die niedrigen, stabilen Preise des heimischen Energieträgers Braunkohle ausgeglichen werden. Die Ibi-Partner hofften außerdem darauf, dass eine geplante Demonstrationsanlage am Chemiestandort Leuna bestimmte Vorteile bei der Zuteilung von Kohlendioxid-Zertifikaten erhalten kann. Dies ist allerdings bisher nicht gelungen.

Die ursprünglich geplante Synthesegas-Demonstrationsanlage sollte jährlich 3 Millionen Tonnen Braunkohle verarbeiten können. Der dafür eigentlich vorgesehene Investor Linde hat sich allerdings wegen der unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurückgezogen. Das Projektbündnis reagiert darauf mit einem veränderten Konzept. Eigentlich habe man eine geschlossene Prozesskette anbieten wollen, die vom Braunkohle-Abbau bis zur Synthesegas-Erzeugung reicht, sagte Tom Naundorf, Geschäftsführer des Braunkohleveredlers Romonta. Nun werde das Konzept auf ein Baukastensystem erweitert, dessen Teile flexibel eingesetzt werden können. Das Ziel einer Synthesegas-Demonstrationsanlage in der Region will er dennoch weiter verfolgen: „Wir werden hier in den nächsten fünf bis sechs Jahren etwas auf die Beine stellen.“

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