Im Netzgebiet des Schweriner Regionalversorgers hat die Stromerzeugung aus Sonne und Wind einen Anteil von 69 Prozent am Stromverbrauch erreicht. An den meisten Tagen des Jahres muss Ökostrom ins vorgelagerte Übertragungsnetz abtransportiert werden.


Solarpark 2

Der Solarpark im Brandenburger Perleberg ging im Jahr 2012 mit einer Spitzenleistung von 34 Megawatt in Betrieb. Foto: Yoursmile, CC0


In Westmecklenburg und im Nordwesten Brandenburgs nähert sich die Ökostrom-Produktion mengenmäßig zunehmend dem Stromverbrauch an. Das geht aus den Zahlen des Schweriner Regionalversorgers Wemag hervor, der in dieser Region das Stromnetz betreibt. Bereits im vergangenen Jahr 2012 hätten die im Netzgebiet installierten Anlagen für erneuerbare Energien 1.463 Gigawattstunden Ökostrom erzeugt, teilte das Unternehmen mit. Der Stromverbrauch einschließlich der belieferten Stadtwerke lag bei 2.122 GW. Damit ergibt sich für diese Region eine Ökostrom-Quote von 69 Prozent. Zum Vergleich: Im gleichen Jahr lag diese Quote nach Angaben des Bundesumweltministeriums bundesweit bei 23%. Die Bundesregierung strebt für das Jahr 2020 einen Anteil von 35% an.

Im selben Jahr wurden im Wemag-Netzgebiet neue Ökostrom-Kraftwerke mit insgesamt 127 MW installierter Stromleistung angeschlossen. Dabei handelte es sich vor allem um neue Solarstrom-Anlagen, darunter zwei Großanlagen in Perleberg und Jännersdorf. Damit stieg die Gesamtleistung von Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energien ins Wemag-Netz einspeisen, um 19% auf 787 MW. Das lag bereits deutlich über der maximalen Netzlast des Jahres 2012 von 419 MW. Dies führt wiederum dazu, dass der unregelmäßig produzierte Ökostrom zunehmend nicht mehr im Wemag-Netzgebiet verbraucht werden kann, sondern ins vorgelagerte Übertragungsnetz weitertransportiert werden muss. Solche Rückspeisungen wurden 2012 bereits an 214 Tagen registriert.

Um die neuen Ökostrom-Anlagen ans Stromnetz anschließen zu können, muss Wemag seine Leitungen und Umspannwerke ausbauen. Doch die Kosten dafür können in der dünn besiedelten Region über die Netzentgelte nur auf relativ wenige Kunden umgelegt werden: Sie müssen relativ hohe Netzentgelte zahlen. Der Versorger setzt sich daher für eine bundesweite Weiterverteilung der Netzausbau-Kosten ein.

Der Regionalversorger baut auch eine eigene Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf. Seit 2010 habe er 19 Mio. Euro in 10 MWp Spitzenleistung regenerativer Erzeugung investiert, teilte er mit. Bis 2015 sollen weitere 35 Mio. Euro vorzugsweise in Windparkprojekte investiert werden.

Außerdem unterstützt Wemag die Beteiligung von Bürgern in einer Kundengenossenschaft, durch die Förderung von Bioenergiedörfern und mit Produkten für eine teilweise Eigenversorgung. Seit Herbst 2012 bietet das Unternehmen kleine Solarstrom-Anlagen für Haushalte an, mit denen diese ein Fünftel ihres eigenen Strombedarfs decken können. Ein neuartiger Stromspeicher soll es künftig ermöglichen, dass sich Einfamilienhäuser künftig zur Hälfte mit selbst erzeugtem Solarstrom versorgen können. Der Speicher „Reevolt“, den der Versorger gemeinsam mit Partnern entwickelt hat, soll bis zu fünf Kilowattstunden Strom speichern können.

Im Geschäftsjahr 2012 erwirtschaftete Wemag einen leicht gestiegenen Umsatz von 405 Mio. Euro und einen leicht gesunkenen Gewinn von 18 Mio. Euro. Als Gründe für den Gewinnrückgang nannte der Versorger den starken Margendruck und einen leichten Absatzrückgang im Stromgeschäft. Er befindet sich seit Januar 2010 im Mehrheitsbesitz der Kommunen des Versorgungsgebiets.