EP Energy, die Muttergesellschaft des ostdeutschen Braunkohleförderers Mibrag, hat ihren Gewinn zuletzt verzehnfacht. Ein Streit um Kohlelieferungen könnte dazu führen, dass künftig regelmäßig Profener Braunkohle nach Tschechien transportiert wird. 


Das Heizkraftwerk Malešice versorgt die tschechische Hauptstadt Prag mit Wärme und Strom. Sein Betreiber Pražská teplárenská gehört inzwischen auch zum Firmengeflecht von EP Energy. Archivfoto: Stefan Schroeter


Das tschechische Energieunternehmen EP Energy, die Muttergesellschaft des ostdeutschen Braunkohleförderers Mibrag, hat im vergangenen Geschäftsjahr 2012 deutlich mehr Geld verdient. Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, stieg der Umsatz um 23 Prozent auf 41 Milliarden Kronen (1,6 Mrd. Euro), der Gewinn nach Steuern wurde sogar auf 11 Milliarden Kronen verzehnfacht. EPE verkaufte vor allem mehr Strom, Wärme und Kohle, während der Gasabsatz etwas zurückging.

Die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet EPE in Tschechien, überwiegend mit Strom und Wärme. Hier betreibt das Unternehmen vier große Heizkraftwerke in mehreren Tochterunternehmen, unter anderem im hauptstädtischen Wärmeversorger Pražská teplárenská. Die andere Hälfte des EPE-Umsatzes kommt weitgehend und etwa zu gleichen Teilen aus Deutschland und der Slowakei. In Deutschland hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr seine Anteile an Mibrag von bisher 50 auf 100 Prozent aufgestockt und einen Anteil von 41% am Braunkohlekraftwerk Schkopau erworben. Daher verkauft EPE hier vor allem Kohle und Strom. In der Slowakei stammen die Umsatzerlöse weitgehend aus dem Stromverkauf. In allen drei Ländern verfolgt das Unternehmen auch Projekte für erneuerbare Energien, vor allem für Windkraft.

Im vergangenen Jahr war EPE mit dem tschechischen Bergbauunternehmen Czech Coal in einen Konflikt geraten. Dabei hatte Czech Coal zeitweise seine Braunkohlelieferungen an das EPE-Kraftwerk Opatovice eingestellt. Ein Bericht der Mitteldeutschen Zeitung lässt darauf schließen, dass dieses Kraftwerk daraufhin mit Braunkohle aus dem Mibrag-Tagebau Profen  beliefert wurde. Aus einem EPE-Dokument vom Februar geht hervor, dass diese Lieferungen trotz der um 200 Kilometer längeren Transportentfernung und der damit verbundenen hohen Kosten künftig auch regelmäßig erfolgen könnten. Weil die Mibrag-Kohle andere Eigenschaften als der bisher verwendete Brennstoff von Czech Coal hat, müsste das Kraftwerk Opatovice dazu allerdings noch umgerüstet werden.

EPE ist eine vollständige Tochter der EPH Energetický a průmyslový holding. An EPH hält wiederum die Prager Investment- und Finanzgruppe PPF mit 44% den größten Anteil. Weitere Gesellschafter sind die im gleichen Sektor aktive und ebenfalls in Prag ansässige J&T-Gruppe sowie der Manager Daniel Křetinský. Diese Beteiligungen halten sie allerdings nicht direkt, sondern über undurchsichtige Firmengeflechte, die sich über mehrere Länder erstrecken. Dabei sind auch Holdinggesellschaften eingebunden, die offenbar in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia angesiedelt sind. Nähere Auskünfte dazu erteilte EPH auf Anfrage nicht.

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