Obwohl das Bergbauunternehmen weniger Braunkohle an zwei Großkraftwerke lieferte, verdiente es dank anderer Kunden und gestiegener Preise deutlich mehr Geld. Weitere Bewegung gab es bei den ungewöhnlichen Finanztransaktionen zwischen Mibrag und seinem tschechischen Gesellschafter EP Energy.


Aus dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain beliefert Mibrag das Großkraftwerk Lippendorf. Archivfoto: Stefan Schroeter


Der Braunkohleförderer Mibrag hat im Geschäftsjahr 2012 einen deutlich höheren Umsatz und Gewinn erwirtschaftet. Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, stieg der Rohkohle-Absatz zwar nur um ein Prozent auf 16,7 Millionen Tonnen. Der Umsatz legte dagegen um 10 % auf 437 Mio. Euro zu, und der Gewinn stieg sogar um knapp ein Viertel auf 83 Mio. Euro. Der Gewinn wird vollständig an die Muttergesellschaft JTSD Braunkohlebergbau  abgeführt. Einziger Gesellschafter von JTSD ist inzwischen das tschechische Energieunternehmen EP Energy, nachdem sich der ebenfalls tschechische Stromkonzern CEZ im vorigen Jahr zurückgezogen hatte. EPE wiederum gehört zur EPH Energetický a průmyslový holding, an der überwiegend Finanzinvestoren beteiligt sind.

Mibrags Umsatzanstieg, aus dem sich offenbar auch das deutliche Gewinnplus speist, wird im Geschäftsbericht mit „der Preisentwicklung für die Produkte“ erklärt. Im Klartext heißt das: Mibrag ist es gelungen, seinen Kunden sein Hauptprodukt Braunkohle, aber auch Braunkohlestaub und Strom zu höheren Preisen als bisher zu verkaufen. Bei der Braunkohle haben sich die Lieferströme etwas verändert: Die Großkraftwerke Schkopau und Lippendorf, die das Unternehmen vor allem beliefert, brauchten wegen Revisionen und Störungen weniger Kohle. Doch es gab einen Ausgleich dafür: „Außerplanmäßige Absatzausfälle konnten durch erhöhte Abnahmen anderer Kunden und durch Rohkohlelieferungen an verschiedene neue Abnehmer kompensiert werden“, berichtet das Unternehmen. Nach Berichten der Braunschweiger Zeitung und der Mitteldeutschen Zeitung hat Mibrag im Jahr 2012 erste Kohlemengen für das Kraftwerk Buschhaus in Niedersachsen und größere Mengen nach Tschechien geliefert. Nähere Informationen darüber wollte der Kohleförderer auf Anfrage zunächst nicht mitteilen: „Hierbei handelt es sich um Geschäftsbeziehungen, über die wir ohne Zustimmung der Geschäftspartner nicht Auskunft geben können“, hieß es auf Anfrage.

Weitere Bewegung hat es auch bei den ungewöhnlichen Finanztransaktionen zwischen Mibrag und seinem Gesellschafter EPE gegeben. Im Jahr 2010 hatte Mibrag ihm gegenüber wie eine Bank agiert und an ihn ein Darlehen über 220 Mio. Euro vergeben. Dabei musste der Braunkohleförderer im selben Jahr selbst 250 Mio. Euro Verbindlichkeiten bei einem Bankenkonsortium refinanzieren. Dieses Konsortialdarlehen hat Mibrag nun im Jahr 2012 komplett abgelöst und damit seine Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, die noch bei 187 Mio. Euro lagen, vollständig beendet. Zu diesem Zweck musste das Bergbauunternehmen allerdings wiederum einen Kredit von 139 Mio. Euro bei EPE aufnehmen, während es selbst noch ein Guthaben von 168 Mio. Euro bei EPE hat. Dass dieses Guthaben bei der Gelegenheit nicht verrechnet wurde, erklärt Mibrag damit, dass  es nicht direkt gegenüber EPE besteht, sondern gegenüber deren Tochtergesellschaft JTSD. Diese Gesellschaft gehört allerdings seit Juni 2012 vollständig zu EPE, so dass diese Erklärung nicht wirklich einleuchtet. 

Mibrag betreibt südlich von Leipzig die Tagebaue Vereinigtes Schleenhain und Profen, aus denen die Großkraftwerke Lippendorf und Schkopau mit Braunkohle beliefert werden. Am Kraftwerk Schkopau hatte sich EPE im vergangenen Jahr bereits beteiligt, Mehrheitsgesellschafter blieb Eon Kraftwerke. Eine Beteiligung scheint nun auch beim Kraftwerk Lippendorf möglich zu sein, da hier der Stromkonzern Vattenfall Europe seine Kraftwerkshälfte verkaufen will. Am Tagebau Profen plant Mibrag außerdem ein eigenes Großkraftwerk. Langfristig will das Bergbauunternehmen auch einen weiteren Tagebau bei Lützen erschließen.

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