Eine Pilotanlage im Brandenburger Falkenhagen nutzt Windstrom für die Elektrolyse, um Wasserstoff zu erzeugen. Dieser Energieträger wird in eine Erdgasleitung eingespeist.


Die Pilotanlage in Falkenhagen kann 360 Normkubikmeter Wasserstoff pro Stunde produzieren. Foto: Eon  


Der Energiekonzern Eon hat gestern im Brandenburger Falkenhagen eine Pilotanlage für die Produktion von Wasserstoff aus Ökostrom in Betrieb genommen. Sie nutzt Windstrom, um mittels Elektrolyse Wasserstoff zu erzeugen, der in eine Ferngasleitung von Ontras eingespeist wird. Die Pilotanlage verfügt über einen Leistung von zwei Megawatt und kann 360 Normkubikmeter Wasserstoff pro Stunde produzieren. Diese Wasserstoff-Menge wiederum entspreche einer Energiemenge von 1.285 Kilowattstunden, teilte Eon auf Anfrage mit.

Wasserstoff kann in begrenzter Menge in Erdgasleitungen eingespeist werden, hat aber einen deutlich geringeren Energiegehalt als Erdgas. Zu den Investitionen für die Pilotanlage machte Eon keine Angaben. Bei ihrer Errichtung und ihrem Betrieb arbeitet der Energiekonzern mit dem Schweizer Partner Swissgas zusammen, der auch einen Teil der Falkenhagener Wasserstoff-Produktion abnehmen soll. Unklar blieb dabei, auf welche Weise Swissgas den Wasserstoff beziehen wird, der sich in der Erdgasleitung mit dem Erdgas vermischt. Eon will mit der Pilotanlage technische und regulatorische Erfahrungen beim Bau und Betrieb derartiger Speicheranlagen sammeln, um die Technologie später zur Marktreife führen zu können.

Bundesweit gibt es bereits mehrere Pilotprojekte dafür, Strom aus Windparks dazu zu nutzen, um per Elektrolyse Wasserstoff herzustellen. In Prenzlau, Brandenburg, betreibt Enertrag ein Hybridkraftwerk mit angeschlossener Elektrolyse. Der damit produzierte Wasserstoff dient hier gemeinsam mit Biogas hauptsächlich zur bedarfsgerechten Stromproduktion. Auch die Ingenieurgesellschaft Wind-Projekt verfolgt in Altentreptow, Mecklenburg-Vorpommern, ein Windstrom-Elektrolyseprojekt. Hier ist geplant, den Wasserstoff zu speichern und in windschwachen Zeiten wieder zur Stromproduktion zu nutzen.

Im niedersächsischen Werlte hat der Stuttgarter Anlagenbauer Etogas für den Automobilhersteller Audi eine Anlage gebaut, die Ökostrom-Überschüsse zur Produktion von synthetischem Methan in Erdgasqualität nutzt. Die Wasserstoff-Elektrolyse ist dabei ein Zwischenschritt, bevor durch die Reaktion mit Kohlendioxid das synthetische Methan entsteht. Dieser Energieträger soll als Kraftstoff unter der Bezeichnung „e-gas“ genutzt werden, um das neue Audi-Modell „A3 g-tron“ schadstoffarm anzutreiben. Die Etogas-Anlage verfügt über eine Leistung von 6 MW. Der Anlagenbauer kündigte bereits an, in den nächsten Jahren deutlich größere Anlagen mit bis zu 20 MW elektrischer Anschlussleistung zu liefern.

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