Der Freistaat bereitet ein Förderprogramm für Betreiber von Ökostrom-Kraftwerken vor, die Stromspeicher anschaffen und das Netz entlasten. In Freiberg und Dresden wird erforscht, wie sich Braunkohlestrom zur Wasserstoffproduktion nutzen lässt.


Windkraft und Braunkohlestrom – beides möchte Sachsens Wirtschaftsminister in Wasserstoff verwandeln. Foto: Stefan Schroeter


Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok hat ein Förderprogramm der Landesregierung für die dezentrale Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien angekündigt. Dabei sollen die Betreiber einer Ökostromanlage einen Zuschuss von 50 Prozent der Investitionskosten erhalten, wenn sie einen Stromspeicher anschaffen. Die Bedingung dafür ist, dass sie die Stromeinspeisung ins Netz auf 40% der Anlagen-Nennleistung beschränken. „Alles andere wird dezentral gespeichert“, sagte Morlok am Dienstag bei der Energiekonferenz Ostdeutschland in Leipzig. „Und der gespeicherte Strom darf danach nicht erneut in Netz eingespeist werden.“ Anlagenbetreiber, die auf die Einspeisevergütung des EEG Erneuerbare Energien Gesetzes verzichten, sollen sogar 75% des Stromspeichers gefördert bekommen. Das sei ein Weg, um zu dezentralen Einheiten und zu Eigenversorgung zu kommen, sagte der Minister. Die Stromnetze würden dann von Spitzen der Ökostrom-Einspeisung entlastet.

Morlok erinnerte auch daran, dass die Bundesregierung ein Forschungsprogramm für Stromspeicher aufgelegt hat, in dem 200 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung stehen. Ein Schwerpunkt dabei sei die Windwasserstoff-Kopplung. Dabei wird überschüssiger Windstrom für die Elektrolyse genutzt, um Wasserstoff zu produzieren, der sich als Speichermedium nutzen lässt. Dem Minister zufolge stellt sich für Sachsen auch die Frage, wie Strom aus Braunkohle für die Wasserstoff-Produktion genutzt werden kann. Das würde es erleichtern, Braunkohle-Großkraftwerke auch dann mit einer Mindestlast zu betreiben, wenn das Netz vollständig mit Ökostrom ausgelastet ist. Dann könnten die Großkraftwerke schneller auf die schwankende Ökostrom-Produktion reagieren, als wenn sie vollständig herunter und wieder angefahren werden müssten. Dazu laufen Forschungen an den Technischen Universitäten Freiberg und Dresden, die mit sächsischen Fördermitteln unterstützt werden.

Der sächsische Wirtschaftsminister schlug außerdem vor, eine Solidaritätsabgabe für das Stromnetz einzuführen. Mit diesem „Netzsoli“ sollten Ökostrom-Anlagenbetreiber belastet werden, die den im EEG garantierten Einspeisevorrang für Strom aus erneuerbaren Energien und die 20jährige Einspeisevergütung in Anspruch nehmen. Anlagenbetreiber, die auf diese EEG-Regelungen verzichten, sollten nach Morloks Vorschlag nicht von dieser Abgabe betroffen sein. „Auch das ist ein Beitrag, um wieder mehr Vernunft in das System der Stromversorgung in Deutschland zu bringen“, so der Minister. Bei den Konferenzteilnehmern erntete er mit dieser Aussage sowohl Beifall als auch Protest.

Bereits vor einem Jahr hatte Sachsen vorgeschlagen, das EEG durch ein Quotenmodell zu reformieren, das den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien über die Energieversorger steuern würde. Eine Bundesrats-Initiative mit einem entsprechenden Gesetzesantrag war dann allerdings nicht erfolgreich. Morlok zufolge wurde dieser Vorschlag nun aber durch die Monopolkommission wieder aufgegriffen. „Wir hoffen, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde und wir bei der Effizienz der Erneuerbaren weiterkommen“, sagte der Minister. Derzeit gibt es ein Reihe verschiedener Vorschläge für die Weiterentwicklung des EEG. So spricht sich die Energiebörse EEX European Energy Exchange dafür aus, Ökostrom künftig mit dem Börsenpreis und einem Aufschlag zu vergüten.

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