Eine neue Kraftwärme-Kopplungsanlage in Lubmin sorgt dafür, dass sich das Erdgas aus der Ostseepipeline vor dem Weitertransport an Land nicht zu stark abkühlt. Ihr Herzstück ist eine neu entwickelte Siemens-Gasturbine, die auch schnell und effizient Strom liefern kann.


Die Kraftwärme-Kopplungsanlage Lubmin liefert Wärme für das kühle Erdgas aus der Ostseepipeline, kann künftig aber auch Lastspitzen im Stromnetz abfahren. Foto: Siemens


Der Gasversorger Wingas und der Energiedienstleister Eon Energy Projects haben am Freitag eine neue Kraftwärme-Kopplungsanlage in Lubmin in Betrieb genommen. Die direkt an der Anlandestation der Ostseepipeline Nord Stream gelegene Anlage verfügt über eine Nutzwärmeleistung von 47 Megawatt sowie eine elektrische Leistung von 39 MW. Wie die Partner mitteilten, erzeugt die Anlage jährlich bis zu 200.000 Megawattstunden Strom. Für Bau und Betrieb der KWK-Anlage hatten sie im Dezember 2012 die Projektgesellschaft Industriekraftwerk Greifswald gegründet und nach früheren Angaben einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ investiert.

In der Lubminer Anlage kommt erstmals die von Siemens neu entwickelte Gasturbine SGT-750 zum Einsatz. Diese seit 2010 verfügbare Maschine soll es ermöglichen, die Anlage innerhalb von nur zehn Minuten auf den kompletten Volllast-Betrieb hochzufahren. Siemens zufolge zeichnet sich die neue Turbine außerdem durch einen hohen elektrischen Wirkungsgrad von 39 Prozent und geringe Wartungszeiten aus.

Die in der Gasturbine entstehende Abwärme wird dazu genutzt, das nach dem Weg durch die Ostsee abgekühlte Gas der Pipeline vor dem Weitertransport über Land wieder aufzuwärmen. Denn das Erdgas trifft mit einem erhöhten Druck in Lubmin ein, so dass für den Weitertransport in den nachfolgenden Pipelines Opal und NEL der Erdgasdruck in der Anlandestation verringert werden muss. Ohne Wärmezufuhr würde sich das Erdgas bei dieser Entspannung zu stark abkühlen, so dass die Anlagen vereisen könnten.

Durch die kombinierte Erzeugung von Strom und Wärme liege die Gesamteffizienz der Anlage bei über 85 %, informierten die Betreiber. Um diesen optimalen Nutzungsgrad zu erreichen, werde die Anlage zunächst grundsätzlich wärmegeführt gefahren. Später sei dann auch eine Fahrweise denkbar, die vorrangig Lastspitzen im Stromnetz abfährt, wenn sich dies wirtschaftlich auszahlt.

Die Ostseepipeline Nord Stream transportiert seit 2011 Erdgas von der russischen Küste bei Wyborg zur deutschen Küste bei Lubmin. Von dort gelangt es über die Ostsee-Anbindungsleitung Opal nach Süden bis Tschechien und über die Nordeuropäische Erdgasleitung NEL nach Westen bis Niedersachsen. An Nord Stream sind die Muttergesellschaften von Wingas und Eon Energy Projects, der russische Konzern Gasprom sowie die deutschen Unternehmen Wintershall und Eon beteiligt.

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