Die Handelsplattform Prisma ist seit April der zentrale europäische Marktplatz für marktgebiets- und grenzüberschreitende Gastransport-Kapazitäten. Ab Januar soll hier auch der Zweithandel mit Kapazitäten beginnen, die Transporteure nicht mehr brauchen.


Verdichteranlage Steinitz in der Altmark für den Gastransport. Foto: Ontras


Die Betreibergesellschaft von Prisma, der europäischen Handelsplattform für marktgebiets- und grenzüberschreitende Gastransport-Kapazitäten, wird am 1. Januar 2014 drei weitere Netzbetreiber als  Gesellschafter aufnehmen. Dabei handelt es sich um National Grid aus Großbritannien, Premier Transmission aus Nordirland und TIGF aus Frankreich. Die Energiebörse EEX European Energy Exchange zieht sich dagegen zum gleichen Zeitpunkt aus regulatorischen Gründen aus dem Gesellschafterkreis zurück.

Die Betreibergesellschaft Prisma European Capacity Platform GmbH war vor einem Jahr in Leipzig von zunächst 19 Ferngasnetz-Betreibern aus sieben Ländern gegründet worden, um eine gemeinsame Plattform für den Handel mit deren Gastransport-Kapazitäten zu schaffen. Dazu führten sie drei schon bestehende Kapazitätsplattformen zusammen: die Leipziger Trac-X, die belgisch-französische Capsquare und die niederländisch-deutsch-dänische Linkforhubs. Die einheitliche Plattform war notwendig geworden, weil die Europäische Kommission gefordert hatte, die mitunter knappen Transportkapazitäten auf einem zentralen und für alle Marktteilnehmer gleich transparenten Handelsplatz zu vermarkten.

Die neue Plattform Prisma hatte im April ihre Arbeit aufgenommen. Seitdem habe es mehr als 32.000 Auktionen gegeben, berichtete gestern Ulrich Ronnacker, Zweiter Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, bei einem Gesellschaftertreffen in Leipzig. Welche Menge von Transportkapazitäten bei diesen Auktionen gehandelt wurden, war nicht zu erfahren. Aus Informationen der Prisma-Webseite geht hervor, dass beispielsweise im September in 3.730 Auktionen eine Transportkapazität von 7,6 Milliarden Kilowattstunden pro Stunde angeboten wurde. Erfolgreich waren davon allerdings nur 617 Auktionen, bei denen 187 Millionen kWh/h verkauft wurden.

Inzwischen beteiligen sich 306 Unternehmen mit 900 angemeldeten Nutzern am Ersthandel mit Transportkapazitäten, die für einen Tag, einen Monat, ein Quartal oder ein Jahr gebucht werden können.

Der Zweithandel mit schon gebuchten, dann aber doch nicht benötigten Transportkapazitäten erfolgt derzeit noch auf verschiedenen Online-Plattformen. Diesen Zweithandel will Prisma ab 1. Januar 2014 nun auch selbst anbieten. Damit werde der europäische Handel mit Gastransport-Kapazitäten weiter vereinfacht, sagte Geschäftsführer Götz Lincke.

Prisma beschäftigt derzeit 13 Mitarbeiter in Leipzig und plant zwei Neueinstellungen. Um den Regulierungsbehörden der Europäischen Union näher zu sein, soll das Unternehmen allerdings in den nächsten Jahren nach Brüssel umziehen.


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