Nach einem Regierungsbeschluss ist der Bau der ersten beiden AKW in Polen etwas wahrscheinlicher geworden. Der Energiekonzern PGE hat inzwischen eine Projektgesellschaft gegründet und treibt die Standortauswahl voran.



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Żarnowiec (blau markiert) und das benachbarte Choczewo sind die bevorzugten möglichen Standorte für das erste polnische Atomkraftwerk.


Die polnische Regierung hat ein Programm bewilligt, das den Bau der beiden ersten Atomkraftwerke des Landes vorsieht. Medienberichten zufolge soll das erste der beiden AKW zum Jahresende 2024 mit einem ersten Block in Betrieb gehen und 2030 eine Stromleistung von 3.000 Megawatt erreichen. Ein zweites, gleichgroßes AKW ist bis 2035 geplant. Die Baukosten für ein Kraftwerk werden mit bis zu 15 Milliarden Euro beziffert.

Derzeit kommen noch drei mögliche Standorte für die Atomstrom-Produktion in Frage. Das sind zum einen die benachbarten Orte Choczewo und Żarnowiec bei Gdansk (Danzig) im Nordosten. In Żarnowiec war schon in den 80er Jahren an einem AKW gebaut worden, das dann nicht fertig wurde. Hinzu kommt das weiter westlich gelegene Gąski.

Der AKW-Bau wird vom Energiekonzern PGE Polska Grupa Energetyczna vorbereitet, der bisher vor allem Großkraftwerke für Braun- und Steinkohle betreibt. Er hat bereits eine Projektgesellschaft für das erste AKW gegründet, an der sich drei polnische Partnerunternehmen mit je zehn Prozent beteiligen wollen. Dabei handelt es sich um die Energieversorger Tauron Polska Energia und Enea sowie den Kupferproduzenten KGHM Polska Miedź.

Die Projektgesellschaft hat mit dem australischen Unternehmen Worley Parsons auch schon einen Spezialisten für die endgültige Standortauswahl und -vorbereitung engagiert. Dieser Auftrag hat einen Wert von 252 Millionen Zloty (60 Mio. Euro). Worley Parsons wird zuerst Choczewo und Żarnowiec auf ihre Eignung als AKW-Standort untersuchen.

Wenig Klarheit gibt es derzeit darüber, welches Unternehmen für den Bau des Kraftwerks selbst in Frage kommt. PGE hatte sein AKW-Konzept zeitweise gemeinsam mit dem französischen Stromkonzern Electricite de France sowie den US-amerikanisch-japanischen Unternehmen GE Hitachi Nuclear und Westinghouse Electric entwickelt.

Das polnische Atomkraft-Programm ist im Land selbst umstritten. Auch die deutsche Bundesregierung und mehrere deutsche Bundesländer hatten während der grenzüberschreitenden Strategischen Umweltprüfung für den Programmentwurf ihre Bedenken vorgetragen. Die deutsche Öffentlichkeit konnte sich an diesem Verfahren von Oktober 2011 bis Februar 2012 beteiligen.

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