Normalerweise dienen die ukrainisch-slowakischen Grenzübergangs-Verbindungen dazu, russisches Erdgas von Osten nach Westen zu transportieren. Weil dieses Erdgas nun aber für die Ukraine zu teuer geworden ist, sollen auch Transporte in umgekehrter Richtung möglich werden.


Die Slowakei hat ihr eigenes Ferngasnetz in den vergangenen Jahren schon so umgerüstet, dass sie sich bei Bedarf selbst voll mit Erdgas aus westlichen Nachbarländern versorgen kann. Dazu wurde unter anderem eine zusätzliche Hochdruck-Verbindung in der Verdichterstation Ivanka pri Nitre eingebaut. Foto: Eustream


Die Ferngas-Netzbetreiber der Slowakei und der Ukraine wollen grenzüberschreitende Erdgastransporte im physischen Umkehrbetrieb ermöglichen. Eine entsprechende Absichtserklärung haben der slowakische Netzbetreiber Eustream und der ukrainische Netzbetreiber Ukrtransgas am Montag in Bratislava unterschrieben. Danach werden nun zwei Varianten eines physischen Umkehrbetriebs vorbereitet.

Die erste, kleinere Variante sieht vor, dass täglich 22 Millionen Kubikmeter Erdgas aus der Slowakei in die Ukraine strömen können. Das würde einer jährlichen Menge von 8 Milliarden m³ entsprechen. Dazu soll die vorhandene, derzeit aber nicht genutzte grenzüberschreitende Ferngasleitung von Vojany nach Ushgorod modernisiert werden. Die Lieferungen über diese Leitung könnten im Herbst beginnen.

Die zweite, größere Variante würde es erlauben, deutlich größere Erdgasmengen im physischen Umkehrbetrieb zu transportieren. Dazu wäre es notwendig, zeitweise die Ferngasleitungen zu nutzen, die derzeit zum Transit russischen Erdgases über die ukrainisch-slowakische Grenze dienen. Dazu müssten sich die Partner allerdings mit dem russischen Energiekonzern Gasprom einigen, der für diese Leitungen weitgehende vertragliche Rechte besitzt.

Traditionell bezieht auch die Ukraine russisches Erdgas. Aufgrund eines umstrittenen, im Jahr 2009 geschlossenen Vertrages war der Preis für diese russischen Erdgaslieferungen aber schon in den vergangenen Jahren über das in anderen europäischen Ländern übliche Niveau angestiegen. Daher bemühte sich die Ukraine zunehmend um preisgünstigere Lieferungen aus anderen Ländern. Nach Angaben der Europäischen Kommission hat das Land bereits im vergangenen Jahr 2 Mrd. m³ Erdgas aus EU-Mitgliedsstaaten über Polen und Ungarn importiert.

Nachdem Gasprom den Erdgaspreis für die Ukraine zum 1. April enorm erhöht hatte, verstärkte das Land seine Anstrengungen, sich alternative Lieferwege zu erschließen. Zuletzt hatte der deutsche RWE-Konzern bekanntgegeben, dass er seine Erdgaslieferungen an den staatlichen ukrainischen Gasimporteur Naftogas wieder aufgenommen hat. 2013 hatte RWE bereits eine Mrd. m³ Erdgas an Naftogas geliefert.

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