Der Oldenburger Energiekonzern braucht noch die Zustimmung der Kartellbehörden, um die alleinige Kontrolle über den Leipziger Erdgas-Handelskonzern Verbundnetz Gas übernehmen zu können. Wie lange EWE seine Aktienmehrheit hält, hängt offenbar von den derzeitigen Verhandlungen mit den VNG-Minderheitsaktionären ab.


Der VNG-Sitz in Leipzig und die hier bestehenden Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Foto: Stefan Schroeter


Der Oldenburger Energiekonzern EWE hat Ende Juni beim Bundeskartellamt die Absicht angemeldet, die alleinige Kontrolle über den Leipziger Erdgas-Handelskonzern VNG Verbundnetz Gas zu übernehmen. Die damit verbundene Aktienübertragung will EWE in diesen Tagen auch bei Kartellbehörden in weiteren Ländern anmelden, in denen sowohl VNG als auch EWE über Tochterunternehmen tätig sind. Zu diesen Ländern gehöre beispielsweise Polen, teilte EWE-Pressesprecher Christian Blöhmer mit.

EWE hält bisher 47,9 Prozent der VNG-Aktien und will weitere 15,79 % vom bisherigen VNG-Aktionär Wintershall kaufen. Die VNG-Hauptversammlung hatte diese Übertragung im April einstimmig genehmigt. Stimmen auch die zuständigen Kartellbehörden zu, kommt EWE künftig als Mehrheitsaktionär auf insgesamt 63,69 % der Aktien. Weitere Aktionäre sind die VUB Verbundnetz Gas Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft, die eine Sperrminorität von 25,79 % für zehn kommunale Anteilseigner verwaltet, und der russische Energiekonzern Gasprom mit 10,52 %.

Für die kommunalen Aktionäre hatte VUB Mitte Juni eine erste Aktionärsvereinbarung mit EWE geschlossen, die Regeln für eine künftige Zusammenarbeit enthält. Wie VUB-Geschäftsführer Clemens Schülke auf Anfrage mitteilte, sind sich EWE und VUB darüber einig, dass der Standort Leipzig als VNG-Sitz bestehen bleiben soll. Auch die derzeit in Leipzig bei VNG vorhandenen Arbeitsplätze wollen beide Partner erhalten. Dazu planen sie weitere Einzelregelungen, über die sie noch weiter verhandeln. Bis Oktober 2014 wollen sie sich außerdem auf eine zukunftsfähige Ausrichtung der VNG-Strategie und die Dividendenpolitik einigen.

Ebenfalls Mitte Juni hatte der VNG-Aufsichtsrat den EWE-Finanzvorstand Heiko Sanders an seine Spitze gewählt. Sanders folgt auf Wintershalls Vorstandschef Rainer Seele, der sein Amt im April niedergelegt hatte.

Von den Verhandlungen zwischen den Aktionären hängt offenbar auch ab, ob EWE die VNG-Mehrheit langfristig hält oder weiterverkauft. Einen solchen Weiterverkauf hatte Sanders im April in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung als eine Handlungsoption genannt, die EWE näher betrachtet.

Ein wichtiger Grund dafür dürfte in der konfliktreichen Geschichte der beiden Unternehmen liegen. EWE war im Jahr 2004 als strategischer Partner bei VNG eingestiegen, beide Unternehmen strebten damals eine enge Zusammenarbeit unter dem Dach einer gemeinsamen Holding an. Als dieses Holdingprojekt scheiterte, versuchte EWE in den folgenden Jahren, kommunalen VNG-Aktionären wie Halle und Jena ihre Anteile abzukaufen und so eine Mehrheit zu erreichen. Letzten Endes war dieser Versuch nicht erfolgreich, doch er belastete das Verhältnis der beiden Unternehmen.

In den vergangenen Jahren hatten allerdings auch Städte wie Erfurt und Dresden die Absicht bekundet, ihre VNG-Anteile zu verkaufen. Die anderen kommunalen VNG-Aktionäre haben dafür ein Vorkaufsrecht, so dass ihre Sperrminorität bestehen bleiben kann, wenn sie sich mit den Verkäufern über den Preis einigen.

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